07.10.2019 17:14
kicker Abpfiff - Oktober 2019
Kolumne im kicker vom 07. Oktober 2019

Glaubt man den Zeitungsberichten der letzten Wochen, ist Mentalität das A und O im Fußball. Es wurde auch gleich gratis mitgeliefert, was fehlende Mentalität ist: Wenn Borussia Dortmund trotz Führung unentschieden spielt. Oder wenn der BVB trotz Rückstand unentschieden spielt. Schon diese kleine Auswahl beweist, dass Objektivität diese Diskussion nicht gerade dominiert. Daher war der Furor von Marco Reus verständlich. Der Mann ist ja nicht nur Führungsspieler beim BVB, sondern auch stolzer Besitzer eines permanent akkuraten Haarschnitts und einer noch permanenteren Fahrerlaubnis. Wenn das kein Beleg für vorhandene Mentalität ist, sollten Medien eigentlich nicht mehr über Fußball reden.
Abgesehen davon ist Mentalität oft abhängig von äußeren Faktoren.
Bayern-Torwart Neuer zum Beispiel musste sich nie Gedanken um Mentalität machen. Bis dem Kollegen Ter Stegen der Kragen platzte, weil dieser beim Ausflug zur Nationalmannschaft seine Mentalität nicht live zur Schau stellen durfte. Und das gerade in der Phase, in der Uli Hoeneß beschlossen hat, vom Aufsichtsratschef zum obersten Torwartaufseher zu mutieren. Im Hintergrund lauerte da schon das Spiel des Halbjahres in Tottenham. Wobei auch bei Tottenham Hotspur Mentalitätsdefizite sichtbar wurden in jüngerer Vergangenheit. Alle Spiele, in denen der Gegner mehr Tore erzielte, verloren die Spurs.
Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren. Drum war mit einer scharfen Reaktion gegen die Bayern zu rechnen. Dementsprechend desaströs war die Bilanz von Neuer in Tottenham: Beim 0-1 war er viel zu früh (80 Minuten vor dem Abpfiff) zu weit vom Vorlagengeber weg (50 Meter). Beim Elfer zum 2-4 muss er viel früher raus, um den Winkel zu verkürzen. Zumal auch Lewandowski einen rabenschwarzen Tag erwischte:
2 Tore weniger als Gnabry sind ein Armutszeugnis für einen Klassestürmer. Dazu die unkollegiale Aktion von Kimmich, als Sechser von der Siebener-Position aus den Ausgleich zu erzielen. Weshalb sich Lewandowski kurz wie ein Zwölfer fühlte. Wie will man da bis zum Rückspiel gegen Tottenham mental wieder in der Spur sein? Ein Anruf bei Marco Reus könnte Abhilfe schaffen. Oder Hoeneß knöpft sich mal den Torwart der Spurs vor.

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