donaukurier
Sparen leicht gemacht
8Kolumne im Donaukurier, in der Mittelbayerischen Zeitung und der Passauer Neuen Presse vom 01.07.2025
Wie geht Sparen? Geht es nach der neuen Bundesregierung, gibt es da nur eine Lösung: Wer sparen will, muss mehr ausgeben denn je. Das klingt wirr, macht aber einmal mehr deutlich: Politische Wahrnehmung und Wirklichkeit müssen nicht zwangsweise übereinstimmen. Wer in den Bundestag gewählt wird, ist schließlich nicht der Realität, sondern seinem Gewissen verpflichtet. Von daher ist es selbstverständlich in Ordnung, wenn Einsparungen über Mehrausgaben erreicht werden sollen. Es ist immerhin der Bundeskanzler persönlich, der die Schuldenbremse nur mittels Rekordverschuldung einhaltbar sieht. Für umso mehr Verblüffung sorgt daher eine Nachricht aus Berlin. Das dortige Bezirksamt Neukölln hat verkündet, in Zukunft auf die bis dato übliche zweite Reinigung der Schultoiletten zu verzichten. Dadurch soll ein niedriger einstelliger Millionenbetrag eingespart werden.
Die zuständigen Beamten haben scheinbar überlegt, wie sie eine positive Kettenreaktion auslösen können. Es geht ja schon mal damit los, dass die meisten Schulgebäude und damit auch deren sanitären Einrichtungen in einem desolaten Zustand sind. Wer da freiwillig aufs Schulklo geht, muss schon über ein sehr antibakterielles Nervenkostüm verfügen. Das Wissen, dass die hygienischen Zustände dadurch sich noch mehr an Dritte-Welt-Standards orientieren werden, führt dann logischerweise wozu? Natürlich zu einer Umstellung der Ernährung. Wer die Zahl der Toilettengänge reduzieren will, wird selbstverständlich auch die Nahrungsaufnahme reduzieren. Das schont schon mal den Etat fürs Essen und wird aus Sicht der Bezirksbeamten noch einen angenehmen Nebeneffekt haben: Die Gefahr von Übergewicht wird dadurch gedämmt.
Bundesfinanzminister Klingbeil sollte daher in den Sommerferien unbedingt ein Praktikum beim Bezirksamt Neukölln machen. Er hat nämlich unverrichteter Dinge eine kleine Lücke von 172 Milliarden Euro im Bundeshaushalt ausgemacht – trotz Rekordverschuldung wohlgemerkt. Hier wird deutlich, wo Schwarz-Rot das größte Einsparpotenzial sieht: Beim Sparen selbst. Im Klartext: Indem die Regierung sich das Sparen spart, will sie auf dem Pfad der fiskalischen Tugend landen. Alternativ könnte man ungefähr 6700 Jahre lang die Toiletten im Bundestag ungeputzt lassen. So oder so droht dem Steuerzahler die harte Einsicht: Die neue Bundesregierung ist ein Griff ins Klo.