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Robert Habeck – Comeback erwünscht!

Trotz Sommerlochs läuft die Berliner Entertainmentmaschine. Selbst ein Abschied wie im Falle von Robert Habeck bietet genug Stoff, um sich mit einer Tüte Popcorn vor den Fernseher zu setzen. Denn der einstige Kanzlerkandidat geht nicht leise durch die Hintertür, sondern quasi mit dem Megaphon durch den Vorderausgang. Das ist auch mehr als angemessen. Gerade weil Habeck selbstkritisch eingesteht, dass das alles nicht so gelaufen ist wie er sich das vorgestellt hat. Zwänge in der Partei und in der Koalition – seinen eigenen Kopf durchzusetzen war de facto unmöglich. Und das hat der Ex-Wirtschaftsminister jetzt seinen Worten nach einsehen müssen. Da helfen zerknitterte Hemden und strubbelige Haare zwar auf die Titelseite von Polit-Magazinen wie „Bunte“, „Gala“ und „Spiegel“ – aber ansonsten auch nicht weiter.
Habeck will sich von Universitäten im Ausland einladen lassen und dazu als Vortragsredner ordentliche Honorare einsacken. Das ist eine gute Kombination nach den harten Regierungsjahren, die ihm wie Oppositionsjahrhunderte vorkamen. Aber zurück bleibt die Hoffnung, er möge nach einer einträglichen Auszeit doch wieder in die Bundespolitik zurückfinden. Schon allein vom Unterhaltungswert her. Was er an politischen Inhalten bringt, ist da unerheblich. Sein Tonfall zum Abschied nämlich macht Lust auf mehr. Dazu noch das drastische Vokabular, mit dem er auf einen bayerischen Ministerpräsidenten und auf eine Bundestagspräsidentin losgeht – das schreit förmlich nach Zugabe. Allein schon der Ausdruck „Wurstgefresse“! Damit qualifiziert sich der Grüne sogar für Jobs wie zum Beispiel Urlaubsvertretung für den CSU-Generalsekretär. Die Aufgabenbeschreibung lautet bekanntlich „Abteilung Attacke auf den politischen Gegner“. Wenn die Grünen aber generell diesen Habeck-Sound übernehmen, würde das auch wieder mehr Spektakelfans vor die Glotze (und womöglich an die Wahlurne) holen. Lösungsansätze – egal, ob Bundesregierung oder Opposition – werden gnadenlos überschätzt. Das deutsche Publikum hat längst kapiert: Die maßgeblichen Entscheidungen werden in Washington, Moskau und Peking getroffen. Germany wünscht sich daher keine Klein-Klein-Debatten, sondern verbale Gladiatorenkämpfe. Solange der Bundestag keine Daily Soap auf RTL wird, ist Politik nur ein Elitenprojekt. Ein Comeback von Habeck dürfte den Einstieg von RTL erleichtern.