donaukurier
Neues aus Bullshitistan
Das Wort der Woche ist definitiv „Bullshit“. Vielleicht wird es sogar das Wort zum Sonntag. Keine Geringere als Bundessozialministerin Bärbel Bas hat diesen international gängigen Ausdruck gebraucht. Davon angesprochen fühlen durfte sich Bundeskanzler Friedrich Merz. Und der ist von Amts wegen Chef von Frau Bas. Ist das jetzt Grund zur Annahme, dass der Zoff regiert? Das kann nur behaupten, wer kein gutes Haar an der Bundesregierung lassen will. Wenn man die SPD-Chefin beim Wort nimmt, will sie damit zweierlei sagen: 1. Sie hält den Kanzler nicht für einen Hornochsen, sondern für einen Bullen (was positiv konnotiert ist – man denke nur an die legendären Chicago Bulls). 2. Sie stimmt nicht ein in den Chor all jener, die dem Kanzler Untätigkeit vorwerfen. Nein, Bärbel Bas unterstellt dem Bullen Merz eine veritable Produktivität. Oder wie schon der bei Markus Söders Tochter nicht allzu bekannte Altkanzler Helmut Kohl zu sagen pflegte: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Und Bullshit impliziert nun mal, dass wirklich was hinten rausgekommen ist. Das sollte Anlass genug sein, um sich nicht über den Zustand des Landes aufzuregen, sondern die positiven Aspekte zu betonen. Denn wöchentliche Abgesänge auf die einstige Exportnation Germany nerven nur noch.
Da genügt ein Blick auf die soeben beendete Transferperiode im Fußball. Etliche Topstars der Bundesliga heuerten in der englischen Premier League an. Hätten sich diese Edelkicker so prächtig entwickeln können, wenn die Standortbedingungen in Deutschland unter aller Kanone wären? Im Gegenzug sind Spieler von Liverpool und Chelsea zum ruhmreichen FC Bayern gekommen. Das spricht für die Stärke des deutschen Sozialstaates: Fußballer, die bei englischen Topklubs nicht mehr zum Zug kommen, sehen in Deutschland ihre neue Heimat. Wahrscheinlich hatte Sozialministerin Bas genau diese Entwicklungen im Hinterkopf, als sie angedachte Einsparungen im Sozialbereich als Bullshit identifizierte. Und wenn reihenweise Fachkräfte aus der Bundesliga in die Premier League wechseln, kann von einem Fachkräftemangel auch keine Rede sein. Schließlich laufen auch nach all den Abgängen immer noch jeweils elf Spieler auf. Und wenn Fußball tatsächlich die Welt regiert, bleibt nur noch die Frage: Hat Friedrich Merz schon mal daran gedacht, Lothar Matthäus zum Regierungssprecher zu machen?