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Mehr Wetter – weniger Klima
Der Herbst ist ein optimaler Zeitpunkt für eine EU-Umweltministerkonferenz. Es ist nicht mehr so warm, weil im Herbst das Wetter viel stärker präsent ist als das Klima. Drum tendiert das Wetter im November viel eher zum Sauwetter als beispielsweise im Spätfrühjahr. Das Fazit der Konferenz ist: Die EU weicht die Klimaziele auf. Auf mittlere Sicht soll es dadurch im Sommer schöner und im Winter nicht so kalt werden. Geschlagene 20 Stunden hat die Ministerschar verhandelt. Und scheinbar hatten alle den ganz großen Taschenrechner dabei. Heraus kamen nämlich unheimlich präzise Zahlen. Bis 2035 sollen die Emissionen um 66,25 bis 72,5 Prozent sinken. Und zwar im Vergleich zu 1990. Das ist bekanntlich das Jahr, in dem Deutschland Fußballweltmeister wurde. Sollte das ambitionierte Ziel nicht erreicht werden, soll als Referenzjahr 1974 statt 1990 dienen. Weil da auch Deutschland Weltmeister geworden ist – aber im eigenen Land. Und alle namhaften Meteorologen sind der Auffassung, dass deutsches Wetter im Inland eine viel größere Rolle spielt als beispielsweise in Spanien.
Das Ergebnis von Brüssel ist aber noch nicht final. Ob das tatsächlich so kommt, hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern auch vom Europaparlament. Und dort sitzen ja unterschiedlichste Leute. Die einen wollen es gerne draußen ein bisschen wärmer. Die anderen haben es lieber drinnen kuscheliger und drehen die Heizung auf. Wieder andere sind Fans von Klimaanlagen. Laut Umweltminister Carsten Schneider ist Deutschland auf einem soliden Wege, die anvisierten Zahlen zu erreichen. Die Chemie- und Stahlindustrie soll aber trotzdem nicht abwandern. Die Chemiegiganten brauchen also das nötige Gas einfach nur aus Wind oder Sonne herzustellen. Und auch gegen grünen Stahl spricht nichts, wenn das Drumherum farblich kompatibel ist. Für die Beschäftigten in diesen Branchen bedeutet das deutlich mehr frischen Wind und farbenfrohes Arbeiten.
Die Emissionsweltmeister China und USA sollten sich Europa daher zum Vorbild nehmen. Denn diese Giganten bürden ihrer Wirtschaft ohne Rücksicht auf Verluste viel niedrigere Energiepreise auf. Während Europa im Allgemeinen und Germany im Speziellen der ganzen Welt zeigen, wie man ohne Rücksicht auf Gewinne hohe Energiepreise schafft. Ganz nach dem Motto: Wem Energie lieb ist, dem darf es auch teuer sein. Und was billig ist, taugt nix.