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Lifestyle-Bürokratie statt Lifestyle–Teilzeit
Der Ausdruck Lifestyle-Teilzeit hat das Zeug zum Wort des Jahres. Wenn aus Regierungskreisen so eine Einlassung kommt, wird das natürlich in der Öffentlichkeit gleich als Frontalangriff auf die Arbeitnehmerschaft interpretiert. Aber bei näherer Betrachtung ist es eigentlich eher ein verstecktes Kompliment an all jene, die sich überhaupt in die Arbeit bequemen. Denn die Bundesregierung würde allzu gerne auch was arbeiten, hat aber leider keine Chance dazu. Wieso? Im Berliner Kabinett zwei Parteien, die generell ziemlich gegensätzliche Ansichten zu allen möglichen Themen haben. Da kommt man vor lauter Endlos-Diskussionen schon mal nicht zum Arbeiten. Deshalb wird die Diskussion an sich schon als Arbeit begriffen. Nicht das Ergebnis ist also der Beweis der Arbeit, sondern das schlichte und zur Erfolglosigkeit verdammte Bemühen. Doch wie kann in diesen aufgewühlten Zeiten effektive Arbeit ausschauen? Ein Blick nach Brüssel zur EU-Kommission hilft weiter. Dort hatte Kommissionschefin Ursula von der Leyen vor gut einem Jahr auch die große Offensive zum Bürokratieabbau ausgerufen. Das kam beim Volk nicht gut an. Denn wenn Bürokraten die Bürokratie abbauen wollen, denkt sich die Öffentlichkeit automatisch: Die wollen wohl nix mehr arbeiten!
Weil Deutschlands beliebteste EU-Uschi aber im Gegensatz zu Kanzler Merz ein Gespür fürs Volk hat, hat sie daraus die richtigen Schlüsse gezogen: Sie hat die gut geölte Brüsseler Bürokratiemaschine nicht nur angeworfen, sondern zur Höchstform angetrieben. Denn das Jahr 2025 wurde zu einem Triumph des Bürokratismus: So viele Rechtsakte wie nie in den letzten 15 Jahren wurden nicht nur zu Papier, sondern zur prompten Umsetzung auch in die europäische Wirtschaftswelt gebracht. Ein ganz besonderer Trick: Die EU-Kommission kann Rechtsvorhaben auch jederzeit in die unteren Ebenen delegieren. Da können also anonyme Wesen, die nicht gewählt wurden, sich als Regierung aufspielen und bindende Regeln erlassen. Mehr Motivation geht nicht. Umgekehrt die CDU: Mit einer pauschalen Beschimpfung der Firmenbelegschaften gibt sie der Motivation einen Schlag in die Magengrube. Kanzler Merz sollte daher schleunigst einen Crashkurs bei der EU-Kommissionschefin buchen. Sie hat schließlich seit Amtsbeginn bewiesen: Um die Wirtschaft in die Knie zu zwingen, braucht es keine unflätigen Schimpfwörter – da reichen hochmotivierte EU-Juristen.