donaukurier
Kanzler-Hotline
Die Kontaktdaten von Kanzler Merz und Kabinettsmitgliedern sind jetzt gegen Gebühr bei Datenhändlern erhältlich. Ist das jetzt ein Skandal? Selbstverständlich! Hier stellen sich mit Nachdruck zwei Fragen: Wieso ist das jetzt erst möglich? Und warum nicht gratis? Die Regierungsparteien sind zwar am liebsten damit beschäftigt, untereinander sich die politische Arbeit zu erschweren. Aber vielleicht haben sie im Hinterkopf diesen (sehr theoretischen) Ansatz, im Sinne des Volkes zu regieren. Je direkter der Kanal des Volkes zu den Herrschenden, umso präziser kann auch regiert werden.
Das Kanzleramt sollte das kleine Malheur jetzt aber nicht als Anlass nehmen, Merz & Co. neue Mobilnummern zu besorgen. Vielmehr müsste an alle Bürger und Bürgerinnen eine Telefonliste rausgehen mit wöchentlichen Updates, welcher Minister wann erreichbar ist. Datenschützer befürchten allerdings, Halunken könnten Schindluder treiben mit diesen prominenten Daten. Aber wie soll das funktionieren? Die telefonische Androhung, Kontaktdaten zu veröffentlichen, läuft ja schon mal ins Leere. Denn was eh schon für Jedermann und -frau käuflich zu erwerben ist, wird auf dem Schwarzmarkt einen eher kümmerlichen Preis erzielen. Auch eine Ansage wie „Ich weiß, wo dein Ministerium wohnt“, wird niemanden vom Hocker hauen. Und Minister, die es gewohnt sind, aus dem Hinterhalt der eigenen Partei attackiert zu werden, wenn sie ausnahmsweise mal lieber auf Vernunft statt auf die Parteilinie setzen, werden auch kaum auf den berüchtigten Enkeltrick reinfallen.
In Sachen Kommunikation wesentlich progressiver und näher am Volk ist da Annalena Baerbock. Statt einfach nur auf Steuerzahlerkosten sich in New York einzuigeln, lässt sie neuerdings mit Instagram-Videos ihre Landsleute teilhaben an ihrem einjährigen Praktikum. Und sie tut auch viel, um das Image der gern mal als hypermoralisch angesehenen Grünen zu verbessern. In den Videos ist sie mit Pappbecher, Stöckelschuhen und im Taxi mit Verbrennungsmotor zu sehen. Ihre Botschaft: Auf Dauer nerven zu viel Nachhaltigkeit in Kombination mit Biolatschen. Das Schöne dabei: Man braucht nicht mal ihre Mobilnummer vom Datenhändler, sondern kann gratis und direkt über die sozialen Medien mit ihr kommunizieren. Das sollten auch Merz & sein Kabinett beherzigen. Dann fällt es auch nicht so auf, dass nicht regiert wird.