Kolumnen

donaukurier

Im Bilde

Der deutsche Staat muss sparen und dabei auch die Umwelt schonen. Wie entspannt das geschehen kann, demonstriert derzeit das Außenministerium. Johann Wadephul, seines Zeichens Fachanwalt für Medizinrecht und damit prädestiniert für Außenpolitik, ist nämlich ein großer Fan von leicht umsetzbaren Maßnahmen. Sein neuester Volltreffer: In jeder Botschaft und in jedem Konsulat soll ein schönes Portrait von ihm hängen. In Summe sind das weltweit über 200 Einrichtungen. In all diesen Läden regelmäßig vorbeizuschauen ist also ziemlich zeitaufwändig. Wenn man da noch die Pannenhäufigkeit der deutschen Regierungsflotte mitkalkuliert, wird schnell klar: Wadephul bräuchte mindestens 67 Jahre, um allen Vertretungen seine sympathische Visage in Echt zu zeigen. Das darf getrost als eher nicht machbar betrachtet werden. Zumal ja nicht mal klar ist, ob die Bundesregierung in 67 Tagen noch Bestand haben wird.
Hinzu kommt noch die ökologische Komponente. Rein statistisch haben deutsche Außenminister ungefähr vier Notlandungen pro Auslandsreise. Und wo haut so ein Flieger am meisten Kerosin raus? Bei den Starts. Das schreit nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel, sondern auch nach einer generellen Homeoffice-Pflicht für Außenminister. Da schrumpfen selbst die imposanten Schmink- und Friseurkosten seiner Vorgängerin Baerbock zu einer vernachlässigbaren Größe. Hier zeigt sich übrigens, wie weitsichtig Wadephul agiert:  Er muss nirgendwo mehr persönlich erscheinen, wenn in Zukunft sein Konterfei von jeder zweiten Wand friedfertig in den Raum lächelt. Also muss er auch nicht dauernd in Barbershops von service- statt gewaltorientierten Syrern rumhängen. Wie überflüssig generell die Anwesenheit eines deutschen Außenministers ist, durfte Wadephul erst vor wenigen Tagen in China erfahren. Dort hat ihm sein chinesischer Gesprächspartner schnell deutlich gemacht: Bevor China deutsche Interessen ernst nimmt, gibt eher Angela Merkel Fehler zu. Angesichts dieser mauen Erfolgsaussichten im meist unbefreundeten Ausland braucht ein Johann Wadephul eigentlich auch nie wieder im Kabinett oder im Bundestag erscheinen. Ein schönes Bild ist da mehr als ausreichend. Wenn er es persönlich vorbeibringt, würde ihm das zusätzliche Bonuspunkte einbringen. Denn ganz ehrlich: Wann hat zuletzt ein Bundesminister ein gutes Bild abgegeben?