Kolumnen

donaukurier

Großes Tennis

Der Regierende Bürgermeister von Berlin namens Wegner hat sich innerhalb kürzester Zeit zur Kultfigur entwickelt. Dass er als CDU-Mann just die Unterstützung von Linksextremisten dazu benötigte, spricht für den guten Zusammenhalt in der Landeshauptstadt. Kai Wegner hat die perfekte Anleitung geliefert, wie Führungspersonal sich in heiklen Momenten verhalten sollte. Wegners erste Entscheidung nach dem Blackout in Berlin war: Erst mal ab ins Homeoffice! Wieso? Weil sein Haus nicht betroffen war von dem Anschlag und somit Stromversorgung und Heizung tadellos funktionierten. Dort hat er sich nach eigenen Worten sogar eingesperrt und viel telefoniert. Wer schon mal eingesperrt war und dabei etliche Telefonate führen musste, wird auch bestätigen: Das geht voll auf die Birne – und das kann zu deutlichen Qualitätseinbußen bei den Entscheidungen führen. Tennis ist da der ideale Sport, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Man muss sich bewegen, was schon mal sehr gut ist bei Minustemperaturen. Aber man muss auch im Kopf flexibel sein, um situativ zu agieren. Nicht wenige ambitionierte Tennisspieler sind sogar überzeugt: Hätte Angela Merkel Tennis gespielt, hätte sie einst bei den Themen Atomkraft und Migration womöglich ganz anders entschieden.
Wieso aber hat Kai Wegner seine Tennisstunde erst unter den Teppich kehren wollen? Aus dem engsten sportlichen Umfeld von Wegner ist zu hören: Seine Rückhand soll unter Druck sehr wackelig sein. Und wer will schon einen Bürgermeister, der unter Druck wackelig wird? Gerade die Deutschen mögen lieber Siegertypen. Deshalb hat es auch ein Boris Becker vor vier Jahrzehnten geschafft, das ganze Land vor dem Fernseher zu vereinen, wenn er den Bum-Bum-Boris gab. Für den späteren Unternehmer Becker hatte die Nation kein großes Verständnis. Und genau deswegen steht Becker seit geraumer Zeit finanziell ähnlich rosig da wie Berlin. Berlin hat allerdings den Vorteil, sich mit Geld aus Bayern über Wasser zu halten. Dass es Berlin trotzdem nicht schafft, als Stadt zu funktionieren, ist zwar verwunderlich. Aber Berlin wollte eben nie der Streber sein. Der Lerneffekt dank Blackout ist übrigens bei den Anschlägern deutlich größer als beim Bürgermeister. Denn die Tatverantwortlichen haben öffentlich erklärt: Das Timing war nicht so gut. Die wärmere Jahreszeit wäre besser geeignet für solche Aktionen, sagen sie. Weil man im Sommer nicht so leicht friert wie im Winter. Und Kai Wegner? Sollte dringend an seiner Rückhand feilen.