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Diversität á la DFB
Kolumne im Donaukurier, in der Mittelbayerischen Zeitung und der Passauer Neuen Presse vom 25.07.2025
Wenn sich Zeiten ändern, ändern sich gern auch mal Ansprüche. Da genügt ein Blick auf Politik und Fußball. Die Damen-Nationalmannschaft, die sich ein ansehnliches TV-Publikum erarbeitet hat bei der Europameisterschaft, muss sich völlig zu Recht viel Lob anhören. Mit etlichen Neulingen gestartet, hat sich die Elf zunächst nicht mit zu großen Erwartungen rumplagen müssen. Aber eine rote Karte, die im wahrsten Sinne des Wortes an den Haaren herbeigezogen war, hat zu einem Sinneswandel geführt. Ganz nach dem Motto: Wer zu zehnt Frankreich schlägt, ist zu elft unbezwingbar. Daher ist die Enttäuschung nach dem Ausscheiden gegen England groß. Wille und Einsatz – das kommt eben gut an unter den 80 Millionen Bundestrainern (und natürlich immer mehr -trainerinnen). Zumal die Damen-EM in der exotischen Schweiz stattfindet.
Ganz anders hingegen verhält es sich mit den DFB-Männern. Deren Ausscheiden bei der Heim-EM im eigenen Lande wurde gefeiert, als hätte der DFB-Trupp im Finale Spanien und davor England und Frankreich mit je vier Toren Differenz zerlegt. Da zeigt sich ein klarer Trend: Von den Damen wird mittlerweile deutlich mehr erwartet als von den Männern. Die Frauen müssen den Titel ran karren – mögen die Umstände noch so misslich sein. Die Männer aber gelten jetzt schon als erfolgreich, wenn sie überhaupt ins Stadion finden, das Trikot richtig rum anziehen und sich die Schuhe ohne Hilfe des Zeugwarts zubinden. Man denke nur mal ein paar Jahre zurück: Bei einem Aus im Viertelfinale eines Heimturniers wäre den DFB-Kickern der Wechsel der Sportart, wenn nicht gar des Nationaltrikots inklusive der Staatsbürgerschaft ans Herz gelegt worden. Für den Fall, dass einige Spielerväter noch Funktionäre im Heimatverein sind, stünden auch Enterbungen und Platzverbote im Raum.
Jetzt erscheint es im Nachhinein auch logisch, dass eine Fußballerin und Hobby-Völkerrechtlerin wie Annalena Baerbock Außenministerin werden konnte. Sie wurde zwar für ihre feministische Außenpolitik belächelt. Doch im Fußball zeigt sich, dass dieser Weg sportlich und politisch wichtig und richtig ist. Da passt es wunderbar, dass mit dem Ende der WM 2026 auch Baerbocks New York-Ausflug endet. Schließlich steht Annalenas nächster Job quasi jetzt schon fest: Nachfolgerin von Julian Nagelsmann – damit die DFB-Männer bei der EM 2028 auch wieder gefeiert werden.