Kolumnen

donaukurier

Bodenhansa

Wenn Vorhaben auf Bundesebene beschlossen werden, steht dahinter die Hoffnung auf positive Auswirkungen. Das war auch der Ansatz, als die Ampelregierung 2024 die Flugsteuern um satte 25 Prozent erhöht hat. Nach politischer Logik würde sich dadurch die Luft über Deutschland um 25 Prozent verbessern. Tatsächlich sind angenehme Symptome zu vermelden. Beispielsweise fiel der befürchtete Hitzesommer aus. Dafür begann der Oktober schon Mitte September. Und wer Ende September noch richtig warmes Wetter wollte, musste schon sehr weit reisen. In dieses Gesamtszenario platzt jetzt eine Meldung von der Lufthansa rein: 4000 Arbeitsplätze werden abgebaut! Da blickt die Politik natürlich äußerst irritiert darauf. Es gibt aber schon auch noch Protagonisten, die eine hundertprozentig saubere Luft über Deutschland befürworten und damit auch einen hundertprozentigen Stellenabbau der Lufthansa. Als Kompromiss könnte die Lufthansa gegebenenfalls alle Piloten umschulen zu Bodenpersonal. Damit einhergehen müsste dann allerdings auch die Umbenennung in Bodenhansa.
Unterm Strich dürfen diese Entwicklungen unter Nachbarschaftshilfe verbucht werden. Natürlich freuen sich alle, die in Flughafennähe wohnen, über weniger Trubel. In beeindruckendem Tempo ziehen Airlines eine beträchtliche Anzahl von Flugzeugen aus Deutschland ab. Immer mehr Flugverbindungen werden gestrichen. Speziell Inlandsflüge gelten sowieso heute schon als überflüssig, weil frühestens 2040 der ICE-Betrieb tadellos funktionieren soll. Funktionieren heißt ist in dem Kontext: Die Hälfte der Züge fährt ab. Von dieser Hälfte wiederum kommen zwei Drittel der Züge an. Wer von Tokio nach Nürnberg muss, braucht dann für die Strecke München-Nürnberg wahrscheinlich ungefähr doppelt so lange wie von Tokio nach München. Wer das seltsam findet, möge aber bitte die Vorteile für den Staatshaushalt bedenken: Es kommen dadurch viel weniger Steuern rein. Das entlastet die unterbesetzten Steuerbehörden spürbar. Und Europa freut sich auch über die deutschen Bemühungen, indirekt etliche EU-Länder zu unterstützen. Diese Länder haben nämlich die aus Germany vertriebenen Kapazitäten dankbar aufgenommen. Angenehmer Nebeneffekt: Sie haben aus dem Flugverkehr deutlich höhere Steuereinnahmen, ohne Steuern erhöht zu haben. Deutschland als Wachstumslokomotive in der EU? Beim Flugverkehr definitiv!