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Bahn frei!
Fraktionsvorsitz ist ein verantwortungsvoller Job. Die Grünen haben dieses Amt daher auf zwei Damen gesplittet: Katharina Dröge und Britta Haßelmann. Diese Aufteilung macht Sinn. Frau Dröge weiß gerne alles besser, während Frau Haßelmann lieber das sagt, was sie weiß. Drum war es vergangenen Mittwoch der Letzteren vorbehalten, im Bundestag dem Kanzler Kontra zu geben. Sie hat die Zukunftsfähigkeit des Landes von der Verlässlichkeit der Bahn abhängig gemacht: Eine nicht funktionierende Bahn sei demokratiezersetzend.
Das ist aber gar nicht mal die übliche Schelte der Opposition. Nein, die Bundesregierung scheint dies ähnlich zu sehen und hat daher den Bahnchef gegen eine Bahnchefin ausgetauscht. Weil es um einen hochpolitischen Job geht: Fährt die Bahn nicht, steht Deutschland still. Und wenn Deutschland dann trotzdem fahren will, steht es im baustellenbedingten Stau. Die neue Bahnchefin heißt jedenfalls Evelyn Palla und ist Südtirolerin. Auf den ersten Blick mag diese Personalie überraschen. Denn mit Südtirol assoziiert der gemeine Deutsche nicht die Zugfahrerei, sondern eher das Wandern. Für diese Personalie sprechen aber zwei ganz andere Gründe. Zum einen macht Deutschland seit Jahrzehnten schlechte Erfahrungen mit Deutschen in der Politik. Wäre beispielsweise eine Inderin statt Angela Merkel 2005 deutsche Kanzlerin geworden, wäre Deutschland womöglich in puncto Digitalisierung nicht ganz so weit hinter Burkina Faso und Südsudan. Hätte sich statt Olaf Scholz ein Südkoreaner im Kanzleramt niedergelassen, wären aufgrund des vorzüglichen koreanischen Schulsystems deutlich weniger Gedächtnislücken im höchsten Amt aufgetreten. Zum anderen funktionieren nicht nur in Südtirol, sondern in ganz Italien nicht nur die Züge, sondern auch die Gleise und Weichen – und damit auch der komplette Bahnverkehr. Von den Passagieren ganz zu schweigen.
Frau Palla darf sich jetzt nur nicht auf Bundesverkehrsminister Schnieder einlassen. Als fachfremder Volljurist hat er nämlich einen Strategiewechsel bei der Bahn verkündet. Erst war Schnieders Plan, dass jeder genau weiß, wann und warum die Bahn unpünktlich ist, und seine Lebensplanung dementsprechend ausrichtet. Jetzt aber soll die Bahn pünktlich werden – man weiß nur nicht, wann genau. Aber in naher Zukunft sollen die Züge zumindest schon mal abfahren. Falls nix dazwischenkommt.