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Plädoyer für die Abschaffung der Sommerpause

Kolumne im kicker vom 16. August 2010

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die Winterpause abgeschafft werden soll oder nicht. Wissenschaftler streiten, ob diese Unterbrechung zwischen Hin- und Rückrunde die Spieler eher anfällig macht oder ob das doch nicht ein sinnvoller Beitrag zur Regeneration ist. Wer die letzten Wochen mitgekriegt hat, wird sofort für eine Ausweitung der Winterpause plädieren. Damit die Sommerpause abgeschafft werden kann. Das Sommerloch führt mehr und mehr zu einer unerträglichen Boulevardisierung des Sports. Der Fußball gerät in die Fänge des Unwesentlichen und verliert nach und nach an Reputation. Was hat das denn bitteschön mit Fußball zu tun, wenn die Sportseiten sich mit der Frage beschäftigen, wer nun die Tuningmaßnahmen von Liliana M. beziehungsweise deren Rückbau bezahlen muss? Oder ob Gomez nun gegen Dänemark spielen darf oder nicht? Oder dass der Vfl Wolfsburg einen Diego nach einer völlig verkorksten Saison in Italien gegen ein sattes Honorar plus Ablöse verpflichten will, nur damit eine singende VW-Fahrerin aus Delmenhorst wieder mit ihrem Lieblingsbrasilianer beim Lieblingsitaliener speisen kann?

Zu schnell wird vergessen, dass derartige Berichterstattung dem weiteren Berufsweg der Beteiligten schaden kann. Ganz offensichtlich wird dies bei Lothar Matthäus. Wer ihn kennt, weiß auch: Der Mann ist ehrlich und geradeaus. Und dennoch wird es immer schwieriger, einen Verein zu finden, der sich seiner annimmt. In der Machowelt Profifußball fragen sich die Vereinsoberen nämlich schon, wie einer mit gestandenen 30-Jährigen klar kommen soll, wenn schon eine ungestandene 20-Jährige ihn dermaßen im Regen stehen lässt? Dabei kann eine Heirat durchaus eine vertrauensbildende Maßnahme sein. Ein schönes Beispiel dafür ist die Hochzeit von Philip Lahm. Seit den Feierlichkeiten glauben zwar 40 Prozent der Deutschen, dass Aying nicht im Süden von München, sondern in Südafrika liegt. Aber seitdem er verheiratet ist, will Lahm die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben.
Und Jogi Löw kommt auch langsam ins Grübeln. Warum? Weil sich bei Hertha BSC niemand finden lässt, der einen Lahm ähnlich attackiert wie einen Ballack. Ganz nach dem Motto: Es gäbe viel zu sagen, aber ich sage lieber mal nix.

Wenn selbst ein Blatt namens Bunte Ballack nur noch im Schwarzweißraster sieht, hat sich die Sommerpause tatsächlich überlebt. Auch die sportliche Bilanz des Sommers ist verheerend: Die U21-Mannschaft ist irgendwo zwischen Hertha BSC und Eintracht Trier gestrandet. Schalke hat zwar einen großen Kader, aber immer noch keine Mannschaft. Und ohne Sommerpause hätte Robben seinen perforierten Muskel bestimmt eher entdeckt. Das Abschiedsspiel für Liliana M. kann notfalls auch im Januar stattfinden.