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Neuheiten

kicker Abpfiff / März 2010

Kolumne im kicker vom 01. März 2010

Wer bitteschön denkt derzeit an Fußball, wenn es um den DFB geht? So richtig ernst nehmen kann den Funktionärsladen ja keiner mehr. Und das ist auch gut so. Schließlich ist Fußball die schönste Nebensache der Welt und nicht die unschönste Hauptsache. Gut, eine bestürzende Nachricht gab es letzte Woche: Oliver Bierhoff will definitiv nicht zurücktreten. Aber auch das ist begründbar. Denn der Teammanager hat weder Schiedsrichter betatscht noch sonst wen amarellisiert. Dass der Rest der Fußballwelt sich von ihm belästigt fühlt, ist moralisch zwar vernünftig, muss jedoch arbeitsrechtlich nicht zwingend zu Konsequenzen führen. Das ist der große Unterschied zum deutschen Schiedsrichterwesen. Da kommt ein Länderspiel gegen Argentinien grad recht. Das lenkt ab von den unseligen Diskussionen. Und verschafft auch den Schiedsrichtern eine kleine Verschnaufpause. Was dem Amarell-Opfer Kempter scheinbar nicht so recht ist. Er will so früh wie möglich wieder an die Pfeife, weil er auf die Fairness der Fans baut. Die Chancen dafür stehen gut. Wer Kempter verunglimpft, würde sich ja quasi als Amarell-Fan outen. Und bevor das passiert, gewinnt Slomka zwei Spiele hintereinander. Dass Kempter eine integre Person ist, steht außer Frage. Er ist im wahren Leben immerhin ein Sparkassenangestellter. Dass er allerdings Amarell das Eindringen in den Strafraum erlaubte, zeugt auch von einem labilen Charakter und Beeinflussbarkeit. Also ideale Voraussetzungen, um Schiedsrichter zu werden, solange der Oberschiedsrichterguru Roth heißt. Wer Roth kennt, weiß auch, dass dieser neben sich weder andere Meinungen noch fremde Götter duldet. Für Roth ist es schon infam und unanständig, dass es Religionen gibt, die ihn als metaphysische Instanz ignorieren.
Wahrscheinlich rätselt er immer noch, wieso seine Person weder im Alten noch im Neuen Testament gewürdigt wird.

Pauschalurteile über deutsche Unparteiische sind allerdings nicht angebracht. Es gibt genug Vertreter der Zunft, deren Wesen alles andere als rothkompatibel ist. Man denke nur an den Kollegen Stark (auch Sparkassenangestellter), der kraft seiner niederbayerischen Charakterprägung Herrn Amarell wohl bei der allerersten verbalen Annäherung schon faustunterstützt niedergestreckt hätte. Oder Babak Rafati (eventuell Sparkassenkunde). Der geht nach wie vor davon aus, dass Fußballspiele nur stattfinden, damit er sich der Weltöffentlichkeit präsentieren kann. Daneben wirkt Herr Roth schon fast wieder wie die Demut in Person. Zudem pfeift Rafati immer wieder mal richtig falsch, um zu dokumentieren: Er hat es nicht nötig, sich bei seinen Chefs einzuschleimen. Fazit: Solange deutsche Schiris Fehler machen, ist auf sie Verlass.