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kicker Abpfiff / Dezember 2009

Kolumne im kicker vom 06. Dezember 2009

Die leidgeprüften Herthaner gewannen endlich mal wieder. Zwar nur in dem Wettbewerb, der aus Bayern-Sicht als Verlierercup gilt (zumindest wenn die Bayern nicht dabei sind). Aber immerhin. Jedoch bleibt aufgrund diverser Parameter ein schaler Beigeschmack. Denn der Gegner war FK Ventspils. Das soll jetzt kein Affront gegen Pilstrinker sein.
Nicht von der Hand zu weisen bleibt dennoch die Tatsache, dass die Berliner sich auswärts in Lettland bewähren mussten. Und da beginnen die Fragwürdigkeiten. Wer in der heutigen Zeit gegen eine Mannschaft antritt, deren tapfere Recken eher für kleines Geld auflaufen, macht sich sofort der Manipulationsverdacht breit. Wie kann Hertha international auswärts gewinnen, wenn doch national nicht mal daheim Dreier eingefahren werden? Wieso wird just der Torschütze danach vom Platz gestellt? Und steht nicht das berühmte Café King zufällig in Berlin? Regiert im Berliner Senat nicht die Stasi mit und ebnet somit subversiven Kräften den Weg? Warum ergriffen Simunic und Pantelic vor Saisonbeginn die Flucht aus Berlin? Wussten sie etwa, dass es mit der Hertha so rapide bergab gehen würde in der neuen Spielzeit? Welche Rolle spielt Torhüter Drobny, der in einem einzigen Spiel gegen die Geringverdiener aus Lettland mehr Paraden zeigte als sonst in einer ganzen Saison?

Langer Fragerei kurzer Sinn: Hertha BSC muss sich für nichts rechtfertigen. Die Truppe hat einfach wacker gekämpft und den Sieg verdient. Auch gegen eine litauische oder montenegrinische Mannschaft hätte der Hauptstadtklub gewonnen. Simunic und Pantelic wurden von Trainer Le Favre vergrault. Und das Café King stand auch schon in Berlin, als in Osnabrück und Verl sich noch keiner Gedanken machte, ob er sich für läppische 500 Euro kaufen lässt.

Überhaupt braucht sich keiner über verschobene Spiele ärgern oder wundern, wenn doch sogar die FIFA ein Förderer der Manipulation ist.
Man denke nur an das Relegationsspiel Frankreich-Irland. In dem Wort Manipulation steckt das Wort manus drin, was lateinisch Hand bedeutet.
Und eben diese Extremität nahm Henry zu Hilfe, um der Trap-Truppe den Garaus zu bescheren. Konsequenzen? Null.

Was lernen wir daraus? Im wahrsten Sinne des Wortes handfeste Manipulationen geschehen abseits des Wettbetriebs noch besser, weil die Blatter-FIFA ihr Rückgrat irgendwo zwischen pragmatisch und selbstherrlich eingerenkt hat. Daraus der FIFA einen Strick drehen zu wollen, wäre unredlich. Denn Konzerne und Regierungen agieren nicht anders. Wenn Fußball ein Volkssport bleiben will, gebührt der Manipulation ein Stammplatz. Oder ein Platz in der Ehrenloge, falls zumindest die Füße sauber bleiben sollen.