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kicker Abpfiff / August 2010

Kolumne im kicker vom 02. August 2010

Wenn einer weiß, wie sich Bundeskanzlerin Merkel fühlt, ist es Bernd Hoffmann. Der HSV-Boss muss dieser Tage einsehen, dass es erstaunliche Parallelen zwischen der Merkel-CDU und dem Hoffmann-HSV gibt: Die Umfragewerte sausen in den Keller. Die Anhängerschaft ist mäßig begeistert bis maßlos sauer. Innerhalb der Gremien geht es drunter und drüber. Die Konsequenz: Die guten Leute hauen ab oder kommen erst gar nicht. Bei der Kanzlerin ist es offensichtlich, dass sie sich mit Papiertiger umgibt, um die eigene Position zu festigen. Machterhalt nennt sich so etwas ganz banal.
So in etwa ging auch Hoffmann Personalthemen an. Darum darf sich mit Bastian Reinhardt nun ein Novize als Sport-Vorstand bewähren. Aber während Merkel quasi unkündbar ist, muss der Chef eines Bundesligisten Ergebnisse präsentieren. Im Notfall besser positive. Deshalb hatte sich Hoffmann etwas Vernünftiges ausgedacht: Urs Siegenthaler sollte kommen, um? Ja, wofür eigentlich genau? Als sportlicher Leiter? Das hört sich ein bisschen nach Übungsleiter an. Während Siegenthaler davon ausging, den Sportbereich neu gestalten zu können, hätte er einen Lehrbuben als direkten Vorgesetzten gekriegt. Da kommt Freude auf, wenn Reinhardt verkündet, dass Siegenthaler für Scouting und Nachwuchs und sonst für gar nichts verantwortlich sein werde.

Als hätte es Siegenthaler geahnt, wollte er seinen Posten als DFB-Chefscout nicht von vornherein aufgeben. Aber schon auch eine andere Option haben, falls beim DFB alle hinschmeißen nach der WM. Und danach sah es ja vor der WM auch aus. Deshalb gab es vom DFB auch keine Einwände gegen eine eventuelle Doppelfunktion, weil es sie sowieso nicht gegeben hätte. Nun aber ist alles anders.
DFB-Generalsekretär Niersbach hat offiziell begriffen, dass DFB und HSV nicht ein und dasselbe sind. Angeblich hat ihm diese brisante Info Siegenthaler höchstpersönlich zugesteckt.

Logischerweise tobt jetzt eine Diskussion über Doppelfunktionen. In der Kritik steht auch Dr. Müller-Wohlfahrt, der sowohl beim DFB als auch beim FC Bayern medizinische Qualitätsarbeit liefert. Dieser Einwand greift aber ins Leere, weil sich der Doc eben deshalb frühzeitig einen Doppelnamen gelegt hat. Außerdem verbietet ihm der Eid des Hippokrates, dass er als DFB-Arzt Özil die Kniescheibe klammheimlich ausbaut, nur weil kurz darauf Bayern gegen Werder antritt. Am seriösesten wären Doppelfunktionen bei Spielern. Es würde beispielsweise niemanden stören, wenn Dzeko in der Champions League für Bayern spielt und Gomez dafür im UI-Cup bei den Wolfsburgern. Ein kompletter Vereinswechsel wäre da gewaltig übertrieben.