kicker Abpfiff / November 2009
Kolumne im kicker vom 02. November 2009
Dass Geld keine Tore schießt, sondern eher kassiert, demonstriert Real Madrid auf besonders imposante Weise. Null zu vier gegen einen Drittligisten im Pokal! Neu ist allerdings, dass sogar Schulden Tore schießen. Oder zumindest die Mannschaft zu ungeahnten Leistungen treiben. So zu sehen bei Schalke 04. Kritiker mögen jetzt einwerfen:
Mit Magath als Trainer wird jeder Depp Meister! Aber a) besteht weder der VfL Wolfsburg noch der FC Bayern aus Deppen und b) sind wahrscheinlich diverse Schalker gerne die Deppen der Nation, wenn es denn endlich mal wieder zu einem Meistertitel reichen würde. Zu gönnen wäre es ihnen.
Zunächst mal ist Entwarnung angesagt. Schalke ist nicht pleite.
Schalke hat viel Geld. Nur eben nicht zur Verfügung. Lediglich die Ausgaben für die Spieler sind zu hoch, weil der Kader sich ein paar Jahre lang nicht verausgaben wollte. Mittlerweile macht sich auch bei den Spielern Vernunft breit. Je mehr Tore Kuranyi schießt, umso mehr ist er zu Zugeständnissen beim Gehaltspoker bereit. Wenn er Torschützenkönig wird, will er womöglich ganz auf Gehalt verzichten.
Und um den Vergleich mit Real zu strapazieren: Schalke gewann im Pokal souverän auswärts bei einem viertklassigen Zweitligisten! Das ist beileibe nicht selbstverständlich. Denn so schwach ist der TSV 1860 nicht. Die 60er haben derzeit einfach nur zu wenig Schulden, um auf dem Platz richtig Gas zu geben. Das wiederum schließt schon mal aus, dass Magath irgendwann mal Trainer bei den Löwen wird. Magath sucht die Herausforderung. Er will stets das Unmögliche möglich machen. Der TSV 1860 hingegen ist seit Jahren bestrebt, das Mögliche unmöglich zu machen. Da hilft es auch nichts, wenn Lienen mit Zetteln statt Schuldscheinen wild gestikuliert am Spielfeldrand.
Aber nicht nur die zweite Liga, auch die Realität ist hart. Der VfB Stuttgart zum Beispiel weiß nicht, wohin mit den Gomez-Millionen und dem Frust. Und woher die Siege kommen sollen. Bei Erscheinen dieser hochaktuellen Zeitschrift kann Babbel längst Geschichte in Stuttgart sein oder aber die neue Trainerhoffnung in Duisburg. Das Geschäft ist höchst volatil geworden. Daher versucht es der FC Bayern mit einem gesunden Mittelweg: Der Verein hat viel Geld und gibt auch viel Geld aus. Da stimmen Input und Output. Somit ist die finanzielle Thrombosegefahr eingedämmt und jeder kann befreit aufspielen. Und auch Gomez wird in die Spur zurückfinden, wenn der VfB endlich mal die gesamte Gomez-Kohle in den Kreislauf bringt. Dem Buben muss man Zeit lassen. Immerhin ist er Halbspanier. Und dass halbe Sachen eventuell selbst bei größtem Geldeinsatz nix bringen, lehrt die Geschichte. Und vor allem Real Madrid.

