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Neuheiten

Wulffisierung nun auch in Bayern?

Kolumne im Donaukurier vom 20. Januar 2012

Bisher war Bayern in der Causa Wulff nur in der Beobachterperspektive.
Vergünstigungen, persönliche Vorteile, Verquickung von Ämtern und Interessen waren und sind in ethisch und ethnisch klar strukturierten Parteien wie die CSU schließlich undenkbar. Doch diese Woche hat eine seltsame Wulffisierung in Bayern stattgefunden. Die Affäre Wulff hat sich bis nach Ingolstadt durchgefressen. Der ungeheuerliche Verdacht: Audi hätte Frau Wulff einen Q3 zu Sonderkonditionen zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise stellte sich das alles nur als Missverständnis heraus. Das Auto war kein schicker Q3, sondern ein Bobby Car. Und gefahren ist nicht Frau Wulff, sondern der Junior der Familie. Schon stellten unseriöse Nachrichtenredaktionen die Frage, ob denn das Auto ordnungsgemäß versteuert worden ist gemäß der Ein-Prozent-Klausel. Das hatte Wulffs Sohn nicht gemacht. Aber der kleine Knirps hat ab dem ersten Tag ein Fahrtenbuch geführt, weil er eben zu korrektem Handeln erzogen wurde. Dabei kann er noch nicht mal lesen und schreiben. Das führte natürlich zu kollektivem Aufatmen beim wahrscheinlich größten Autobauer im Raum Ingolstadt.

Wie können solche unliebsamen Berichterstattungen vermieden werden?
Ganz einfach: Egal, ob Autohersteller oder Bekleidungsfabrikant, man muss sich heutzutage höllisch genau überlegen, wem man was verkauft.
Wer als ehrlicher Unternehmer seine Ruhe haben will, sollte einfach nichts mehr an die Familie Wulff verkaufen, vermieten, verleihen oder zur Verfügung stellen. Die Chance, dass die Aktion als karitative Tat eingestuft wird von den Medien, ist relativ gering. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, wartet einfach ab, bis Wulff zurücktritt oder in Pension geht. Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass die Wulffs so viel in Kleider-, Kühl- und sonstigen Schränken gebunkert haben, dass sie problemlos einige Jahre überbrücken können. Wer sich überhaupt nicht beherrschen kann und deshalb den Wulffs etwas zukommen lassen will, sollte dies am besten auf sehr verschlungenen Pfaden und ja nicht bei Tageslicht tun. Schließlich geht es darum, dass das Staatsoberhaupt nicht das Amt des Staatsoberhauptes beschädigen will und darf. Wobei es schon auch Sinn machen würde, wenn die Medienwelt mal dieses dämliche Nachhaken beenden könnte. Wieso will keiner einsehen, dass Wulff einfach nicht präziser antworten kann? Jede Antwort wirft x neue Fragen auf. Und das kann es ja auch nicht sein.