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Neuheiten

Wie es mit Daum weitergeht...

Kolumne aus der Abendzeitung vom 29.09.2000

„Wer etwas nur anders, aber nicht besser machen will, sollte besser etwas anderes machen." Das sagt Christoph Daum, der Mann, der für Strom wirbt und dementsprechend im Moment unter Strom steht. Dahin zu gehen, wo es mehr Geld und weniger Ärger gibt, empfiehlt ihm Manager Calmund. Mehr Geld und weniger Ärger gibt es in Deutschland aber erst nach der nächsten Bundestagswahl, also soll Daum in die Türkei. Mehr Geld gibt es in der Türkei auf alle Fälle, wenn man bedenkt, daß einer Mark in Deutschland ca. 300.000 Lira am Bosporus entsprechen. Was außerdem für die Türkei spricht: Sollten die Gerüchte, daß sich die deutsche Justiz vermehrt Gedanken um Daum macht, stimmen, wäre er in der Türkei vor dem Zugriff derselben sicher, da ihm sein türkischer Feinkostsponsor „Gazi" sicherlich ein Spezialkommando zur Seite stellen würde. Aber die Frage ist: Was soll denn Daum in der Türkei machen? Sein früherer Arbeitgeber Besiktas Istanbul reagierte auf die Nachricht, daß Calmund den Christoph wieder in Anatolien haben will, äußerst euphorisch: Das Champions League-Spiel in Leeds ging 0:6 aus. Bliebe der Ausflug in die Tourismusbranche. Das scheidet aber auch schon wieder aus angesichts der zwielichtigen Daum-Aktivitäten in der mallorquinischen Hotellerie. Also, wenn schon Türkei, dann bitte doch gleich als Repräsentant für die deutsche Waffenfabrik, die dort sehr bald enstehen wird. Denn da würde keine Gefahr bestehen, daß ihm wieder Rudi Völler in die Suppe spuckt wie bei der Nationalmannschaft. Schließlich zeigt sich Völler auch als Teamchef äußerst friedfertig, während das Vokabular von Daum sich in seiner besten Zeit doch auch an Martialisch-Militärisches anlehnte. Aber ob die Türken nach der vorgestrigen Pleite gegen Real ihn als Waffenlobbyist akzeptieren? Unwahrscheinlich, zumal Galatasaray den Supercup gegen Real gewann und Daum im Moment bestenfalls als Vertreter für Platzpatronen und Rohrkrepierer glaubwürdig wäre. Andererseits ist es natürlich vorstellbar, daß sich die Chefetage der Bayer-Werke denkt: „Der Daum mußte soviele bittere Pillen schlucken, wir machen ihn zu unserem neuen Olympia-Beauftragten im Ostblock." Denn die Gewichtheber aus Rumänien, Bulgarien und noch weiter Richtung Ural haben sich ja letzte Woche überhaupt nicht an die Trainingspläne der Laboranten gehalten und wurden deshalb wieder heimgeschickt. Da erscheint einem in Relation gesehen Meistermacher Ballack schon fast wieder als Glückstreffer für Leverkusen, wenn es eine Rangliste für Tölpeltum im Sport geben würde. Aber Daum war auch nie der Typ, der etwas wortlos schluckte - egal ob Pille oder nicht. Eher spie er es gleich aus, versehen mit deftigen Kommentaren Richtung München. Vielleicht sollte er sich lieber mit seinem pseudo-esoterischen Motivations-Rasputin Höller zusammentun und sich um das Olympiadesaster namens Schwimmnationalmannschaft kümmern. Die machte ja in Sydney schon beinahe der Kursk Konkurrenz. Wer weiß, vielleicht bringt Daum die Speckschwarten-Armada um Franzi von Almsick wieder auf Trab, wenn er wie ehedem Glasscherben auf den Beckenboden streut und nebenbei erzählt, wie es ist, wenn man auf einmal ins Schwimmen gerät und einem das Wasser bis zum Hals steht? Wenn aber alle Stricke reißen, kann er immer noch einen neuen Spot für RWE machen: „Erfolg heißt, gegen den Strom zu schwimmen, bis er Dir 10 Mio in den Rachen schmeißt." Versteht man zwar nicht auf Anhieb, aber das ist ja bei Daum auch nichts Neues...

[ 29.09.2000]