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Neuheiten

Wahl-Entertainment made by Merkel

Kolumne im Donaukurier vom 02.07.2010

Bei einem Sieg hat der Sieger normalerweise gewonnen. Es sei denn, Leute aus den Unionsparteien wollen mal der Bundeskanzlerin in einer geheimen Abstimmung ihre Meinung offenbaren. Da wird eine gewonnene Wahl schnell zum Debakel. Die Liste derer, die nicht gerade als Merkel-Fans gelten, wird lang. Bedrohlich lang. Und immer länger. 
Bisher waren logischerweise die Oppositionsparteien nicht sehr begeistert über Merkel. Seit der Bundespräsidentenwahl hat sie die
Gewissheit: Es gibt immer weniger Leute im eigenen Lager, die tatsächlich noch im eigenen Lager beheimatet sind. Ein Glück, dass wenigstens die Linke nichts mit dieser Republik zu tun haben will und beim letzten Wahlgang nicht mitmachte. Die heimlichen Merkel-Freunde sind somit die Linken. Ihre unheimlichen Freunde dagegen wird die Noch-Regierungschefin eventuell erst kennenlernen, wenn es zu spät ist.

Das Volk hatte bekanntermaßen keinerlei Lust auf einen Parteimann im Amt des obersten Staatsrepräsentanten. Und was machte Frau Merkel? Sie suchte sich gezielt einen Parteimann als Topkandidaten. Ob nun Frau Merkel taub genug ist, um die Stimmung in der Gesellschaft zu verkennen, oder einfach nur ignorant, weil sie die Regierung nicht als Diener des Volkes, sondern als Selbsterhaltungsapparat ansieht, ist eigentlich nicht von Belang. Der Bürger wartet jetzt gar nicht mehr darauf, dass Merkel ihren Aufgaben gerecht wird. Er freut sich lieber auf die nächste Gelegenheit, die sie zur Selbstdemontage nutzt. Und das ist die eigentliche gute Botschaft: Die Kanzlerin kann sich jetzt ganz auf ihren Unterhaltungswert konzentrieren. Wenn sie ab und zu eine saubere Blamage wie bei der Wulff-Wahl hinkriegt, nimmt es ihr niemand krumm, dass sie im Grunde ihres Herzens nur ein Rohrkrepierer im Hosenanzug ist.

Charakterlich agierte Merkel auch diesmal einwandfrei. Sie wollte Wulff unbedingt loswerden, ohne ihn zum Sozialfall zu machen. Nur das lästige Volk wird sie nicht los. Dennoch sollte Merkel nicht verzagen, sondern an ihren Entertainerqualitäten arbeiten. Nächstes Jahren drohen wichtige Landtagswahlen. Wer bis dahin nicht für hochwertige Volksbelustigung sorgt, endet schnell als Küchenhilfe im Schloss Bellevue.

Wulff hingegen will sein neues Büro zu einer Denkfabrik umbauen, ließ er die Öffentlichkeit wissen. Dabei sollte er das Machen nicht vergessen. Wer nur denken, aber nichts machen will, sollte lieber Bundeskanzlerin werden.