Vorbilder in Sachen Resistenz
Kolumne im Donaukurier vom 13. August 2010
Resistenz kann eine wunderbare Sache sein. Ein großes Vorbild in Sachen Resistenz ist beispielsweise der deutsche Arbeitsmarkt. Da kann global eine Wirtschaftskrise sonders gleichen wüten und ganze Länder an den Rand des Abgrunds bringen. Aber dem deutschen Arbeitsmarkt ist das egal. Er zeigt sich nämlich resistent und damit auch allergisch gegen noch mehr Arbeitslose. Politiker halten sich zudem in ihren Ämtern, weil sie sich resistent gegen die Realität zeigen. Laut neuester Umfrage wünscht sich nahezu jeder zweite Bundesbürger, Westerwelle möge vom Amt des Außenministers zurücktreten. Der Minister nimmt dies jedoch nicht zur Kenntnis, weil sich Realitäten auch schnell wieder ändern können. Ganz anders hingegen der bayrische Ministerpräsident. Horst Seehofer ist absolut unresistent gegen Volkes Meinung, weshalb er schon mal eine Umfrage machen lässt, um die Realität draußen mit der Realität seiner Partei in Einklang bringen zu können. Weil er dabei nur das Wohl der Bürger im Sinn hat, lässt er die Umfrage sicherheitshalber vom Steuerzahler finanzieren. Nur um klar zu stellen, dass Umfragen zum Thema CSU keine parteipolitische Angelegenheit sind, sondern die Stimmung im Freistaat dokumentieren sollen. Also eine Art Bayern-Barometer.
Oberflächlich betrachtet kommen Resistenzen also nicht unbedingt in der Politik, sondern vor allem in der Welt der Bakterien nicht so gut rüber. Zeigt sich ein Keim resistent gegen Antibiotika, wird er sofort zu einem Störenfried, wenn nicht gar Schwerverbrecher abgestempelt.
Doch kann so mancher Keim mit seiner störrischen Haltung auch auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen hinweisen. Ganz aktuell gibt es Bakterien aus Indien, gegen die die herkömmlichen Gegenmittel wirkungslos sind. Nach Europa und Amerika eingeschleppt wurden sie von Leuten, die sich in Indien billige Schönheitsoperationen gegönnt haben. Wer sich an einem Bauchladen oder von einem Straßenhändler das Gesicht verunstalten lässt, kann nicht mit hundertprozentiger Hygiene rechnen. Gut, das kann einem an einem Münchner Krankenhaus bekanntlich auch passieren. Aber dort gibt es nur die üblichen Bakterien, die bei Antibiotika sofort die Waffen strecken. In Indien hingegen werden die Keime scheinbar besser ausgebildet. Das sollte hierzulande nicht die Gesundheitsbehörden aufschrecken, sondern die Kultusminister. Wenn sie nur nicht so resistent wären gegen vernünftige Bildungspolitik.

