Von Löchern umgeben
Jedes Jahr um diese Zeit bedroht ein sehr diffuses Wesen die Republik: Das Sommerloch. Und jedes Metier, jede Branche und jede Sparte versucht dieses Loch auf seine oder ihre Weise zu füllen. Und sehr oft wird das Loch mit anderen Löchern zugestopft. Den Auftakt machte diesmal in besonders beeindruckender Weise Fürstin Gloria von Turn & Taxis mit ihrem berühmten „Schnacksel-Interview", wo sie quasi die These aufstellte, AIDS sei letzten Endes schon irgendwo auch eine Folgeerscheinung der Hautfarbe und vor allem der klimatischen Bedingungen. Auf diese Art konnte die Welt erfahren, daß da, wo bei anderen Menschen nachvollziehbare Gedankengänge sich entwickeln, bei Gloria ein exorbitantes Loch sitzen muß. Vielleicht ist es sogar eines dieser sagenumwobenen schwarzen Löcher, die sonst eher weit draußen im Universum plaziert sind und deren Herkunft und Beschaffenheit unerklärlich ist. Wobei man sich bei Gloria natürlich schon Fragen bezüglich ihrer Beschaffenheit machen kann und darf. Warum ist sie so, wie sie ist? Könnte natürlich auch an ihrer Herkunft liegen. Ich weiß zwar nicht, wo sie her ist, aber sie ist schon ziemlich lange in der Oberpfalz beheimatet, wenn nicht sogar schon immer. Und damit rufen wir natürlich die Ethnologen auf den Plan. Aber weil die alle in den Ferien sind, muß ich mich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Die Oberpfalz ist gewissermaßen das Mecklenburg-Vorpommern Altbayerns. Daraus könnte man, wenn man im Gegensatz zu mir böswillig ist, ableiten, daß sich zur Strukturschwäche der Wirtschaft auch eine gewisse Strukturschwäche im Denkzentrum dazugesellt. Vielleicht liegen viele altgediente Bahnen im Hirn brach und bedürfen der Restauration, aber niemand kümmert sich drum. Vielleicht ist ein Update im Kleinhirn notwendig, aber die vorhandene Version im Kopf ist schon so veraltet, daß schon die Systemsteuerung nicht mehr kompatibel ist. Was soll denn aus der Oberpfalz werden, wenn schon die Vordenkerin Gloria nicht mehr entwicklungsfähig (rein hirntechnisch natürlich)? Bringt es uns weiter, einfach ein Loch in den glorianischen Kopf zu bohren, um zu sehen, was und ob überhaupt was drin ist? Eine ähnliche, auf Herrn Effenberg bezogene Frage stellte sich jüngst auch Günter Grass, der Miesbeutel unter den deutschen Schriftstellern. Nie was Gescheites gearbeitet, sich am „Blechtrommler" dumm und dämlich verdient, keinen Beitrag zum Champions League-Triumpf der Bayern geleistet, und zu allem Überfluß stammt er auch noch aus Danzig, das bekanntermaßen noch nie eine große Rolle in der UEFA gespielt hat. So, und jetzt kommt dieser Mann bezeichnet Effe als dumm-stolz. Was soll denn das jetzt? Gut, Effe ist nicht unbedingt der Gefahr ausgesetzt, eines Tages an einem zu hohen IQ zu sterben. Aber sein Job ist ja auch nicht, Doktorarbeiten zum Thema „Diplomatisches Verhalten auf und neben dem Fußballplatz" zu schreiben, sondern dafür zu sorgen, daß die Bayern den Cup nach München zu holen. Und was heißt überhaupt dumm-stolz? Meint Herr Grass, Effe wäre so dumm, daß er schon wieder stolz sein kann drauf? Oder ist er so stolz, daß es schon wieder in Dummheit ausartet? Ist Effe quasi stolz, ein Dummer zu sein? Oder doch zu dumm, um stolz zu sein? Man kann Günter Grass natürlich zu gute halten, daß man nach so vielen Jahren des Lesens und Schreibens und womöglich auch noch des Lesens des Geschriebenen an diversen Verschleißerscheinungen in sämtlichen physischen und psychischen Regionen leiden kann. Aber er sollte doch lieber auf seinem Terrain bleiben. Effe wirft Grass ja auch nicht vor, daß er zwar einen Literatur-Nobelpreis holen kann, aber nicht die Power hat, 90 Minuten gegen Real durchzustehen. Werter Leser, Sie denken sich jetzt vielleicht: Hat denn der Django gar nix anderes zu tun, als über solche Lappalien zu philosophieren? Nein, habe ich nicht, denn schließlich bin ich mittlerweile auch im Sommerloch angelangt. Die Frühjahrstour ist vorbei, ich hatte viele schöne Abende in vielen schönen Theatern, und ich muß mir langsam Gedanken machen, wie es denn überhaupt (wenn überhaupt) weitergeht. Soviel sei verraten: Es wird wieder sportlicher! In den letzten Tagen stand ich des öfteren auf dem Tennisplatz und schwitzte Rotz und Wasser. Und schon packte mich wieder die Kampfkraft aus früheren Tagen, als ich noch im Turniertennis aktiv war. Wenn man bei 30 Grad auf dem staubigen Court steht und sich die Bälle um die Ohren drischt, hat das schon seinen besonderen Reiz. Eine Art Stellungskrieg, die sehr viel Energie kostet, aber Spaß macht. Jedenfalls angenehmer, als die „echten" Kriege. Was sich derzeit im Nahen Osten und in Mazedonien abspielt, ist weit weniger attraktiv für alle Beteiligten. Ich plädiere dafür, daß sich die verfeindeten Parteien nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Tennisplatz begegnen. Denn da geht es auch hoch her, wenn es aber zu heiß wird, ist zur Sicherheit noch ein Netz dazwischen. Abgesehen davon: Auf dem Tennisplatz kann ich von meiner Routine profitieren. Aber haben Sie schon mal einen Selbstmordattentäter mit Berufserfahrung gesehen? Darüber sollten wir nachdenken. Zumindest bis das Sommerloch zu Ende ist...
[ 26.07.2001]

