Vom Klima verraten
Kolumne im Donaukurier vom 19. Februar 2010
Erstaunliches ist passiert diese Woche, ohne dass die Welt es so richtig mitbekommen hat: Der Chef des UN-Klimarates, ein gewisser Herr de Boer, ist einfach so dir nichts, mir nichts zurückgetreten. So richtig einen Grund hat er nicht genannt. Aber selbst ein Laie, der mal aus dem Fenster geschaut hat in den letzten Wochen, kann sich denken, was den Mann zu diesem überraschenden Schritt bewogen hat. Der sogenannte Oberexperte fühlt sich vom Klima verraten, verkauft und verkohlt.
Da erzählt der Klimarat ewig und drei Tage was von Erderwärmung, Klimawandel und sonstigen Horrorszenarien - und das Wetter hat nichts Besseres zu tun als diese Worte wie das Geschwätz von übereifrigen Ahnungslosen wirken zu lassen. Seit Wochen herrscht ein Winter, der gar keine Anstalten macht, sich irgendwann zu verabschieden. Eis und Schnee haben nicht nur Flughäfen lahm gelegt, sondern auch noch Krater in Straßen geschlagen. Und die Krankengymnasten und Physiotherapeuten haben schon lange aufgehört, die Rückenpatienten zu zählen, deren Wirbelsäulen von tagelangen Schneeräumaktionen ramponiert wurden. Da schaut die Volksseele natürlich dumm aus der Thermowäsche. Denn wer die Voraussagen der UN-Klimaexperten ernst nahm, rechnete ja eher subtropischen Bedingungen im Winter und Wüstenklima im Sommer. Also mit einer Bandbreite von feuchtigkeitsgeprägten 23 Grad im Dezember und staubtrockenen 47 Grad im Juli.
Jetzt steht de Boer da wie ein begossener Pudel, den der Winter zur Eisskulptur erstarren ließ. Wer so einen Gesichtsverlust hinnehmen muss, darf natürlich zurücktreten. Wenn er schlau gewesen wäre, hätte er den Klimarat einfach in Winterrat umbenannt und somit schon mal beim Klima gepunktet. Es wäre ein klares Zeichen gewesen, dass die Vereinten Nationen, so hilf- und planlos sie auch seit Jahrzehnten agieren, zumindest Respekt haben vor dem Selbstbestimmungsrecht des Wetters. Dieser Herr de Boer ist aber nicht nur schlau, sondern ein echtes Schlitzohr. Er wechselt nämlich dorthin, wo er garantiert nie wieder öffentlich gedemütigt werden kann wie jetzt geschehen. Er geht zu einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Und zwar zu der, die Siemens geprüft und bei all den Schandtaten dort die Augen zugedrückt hat. Im Alltag von Herrn de Boer wird also auch in Zukunft viel schief laufen.
Aber wenigstens das Wetter kann ihm ab jetzt egal sein.

