preload preload preload preload preload preload preload preload preload preload preload

Neuheiten

Unterwasserwelten

Kolumne im Donaukurier vom 30. April 2010

Griechenland stand das Wasser bis zum Hals. Das war der Stand der Dinge Anfang der Woche. Mittlerweile ist man ein bisschen klüger und hat registriert: Eigentlich ist Griechenland schon ein Unterwasserstaat. Muss ja im Hochsommer kein Nachteil sein. Deshalb lassen sich die Griechen nicht aus der Ruhe bringen. Da kommt quasi der Südländer durch, der alles ein bisschen entspannter nimmt. Wenn er am Abend auf das Meer hinaus Richtung Sonnenuntergang schaut, ist die Welt wieder in Ordnung.

Dass sich jetzt die gesamte EU über Griechenland aufregt, steckt das Land locker weg. Die EU war ja schließlich selber scharf auf einen EU-Beitritt der Griechen. Wieso sonst haben Brüssels Bürokratiefanatiker seinerzeit die griechischen Zahlen und Daten mehr oder weniger ungeprüft abgenickt, als über die Aufnahme entschieden wurde? Die jüngere europäische Geschichte lehrt: Je heikler eine Angelegenheit, umso weniger genau wird hingeschaut. Wenn die Gaudi überwiegt, dürfen Zahlen und Daten ignoriert werden. So war es bei der übereiligen Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren. So war es auch unlängst, als der Stoiber Edi unbedingt eine Bank auf dem Balkan haben wollte.

Dagegen spricht moralisch natürlich nichts. So etwas nennt man einen Lustkauf. Man will es haben und ist auch bereit, einen absurden Preis dafür zu zahlen. Das kennt man von seltenen Briefmarken oder Modellautos. Es gab nur eine DDR und nur eine Hypo Alpe Adria. Wenn man die Gunst der Stunde nutzen wollte, musste sofort zugegriffen werden. Nicht anders erging es den Griechen mit der EU.

Die Politik sucht derzeit einen Schuldigen für die Misere. Und ist im Prinzip auch schon fündig geworden. Schuld sind die Ratingagenturen.
Die haben nämlich die Bonität Griechenlands angezweifelt. Sie sitzen in ihren Glaspalästen und zeigen mit dem Finger auf andere. So der Vorwurf aus der Politik. Dass Politiker selber Fehler eingestehen sollen, wäre auch zuviel verlangt. Und selbst wenn sie Fehler eingestehen, reagieren sie allergisch, wenn es darum geht, auch für die daraus resultierenden Kosten gerade zu stehen. Deshalb gehen ja die meisten in die Politik: Man erfreut sich der Immunität und verjubelt das Geld des Volkes. Das erinnert viele an ihre Kindheit.
Diese Unbeschwertheit, diese Leichtigkeit des Seins. Wem das nicht in der Politik vergönnt ist, muss halt öfter Urlaub in Griechenland machen.