So und ned anders.
Kolumne im Donaukurier vom 12. Februar 2010
Bewaffneter Konflikt - das ist es also, was seit acht Jahren in Afghanistan tobt. Seit dieser Woche ist es Gewissheit. Es ist äußerst beruhigend, dass die Bundesregierung dies in dieser Eindeutigkeit feststellt. Rumdruckserei wurde der Politik jahrelang vorgeworfen bei diesem Thema. Das ist natürlich infam und kurzsichtig. Und lässt die wahrscheinlichste Variante außer acht: Es dauert in der Politik halt ein bisschen länger als in der freien Wirtschaft, bis eine Angelegenheit richtig eingeordnet werden kann. Schließlich leben Politiker in einer hermetisch abgeriegelten Welt. Viele von denen wissen nicht einmal, dass es da draußen ganz normale Menschen gibt.
Also Leute, die jeden Tag in die Arbeit gehen, ihr Auto selber kaufen und ohne Chauffeur auskommen müssen und sich nicht Einkommenserhöhungen nach Lust und Laune verpassen können.
Und am allerwenigsten können sie sich vorstellen, dass da, wo deutsche Soldaten sind, ein Krieg sein könnte. Sicherheitshalber hat vor Jahren mal ein sozialdemokratischer Verteidigungsminister namens Struck beschlossen, die Sicherheit Deutschlands müsse am Hindukusch bewerkstelligt werden und nicht vor der eigenen Haustür. Aus seiner Sicht ist das auch korrekt. Wer will bitteschön kriegerische Auseinandersetzungen in nächster Umgebung? Der ganze Krach von Detonationen und schreienden Menschen. Der ganze Dreck, der da entsteht. Ganz zu schweigen von Panzern, die einem den Parkplatz vor der Haustür wegschnappen. Und Granateneinschläge am Hausputz machen sich auch nicht so besonders, wenn der schadenfrohe Nachbar auf sein intaktes Bauwerk hinweist beim Morgengruß.
Damit die Politiker aber in ihrem Mikrokosmos ihre Ruhe haben, musste Deutschland den Krieg weit weg verlegen. Outsourcing nennt man diese Vorgehensweise. Muss nicht unbedingt billiger sein. Schont aber die Nerven. Und auf diese Weise kriegen die Verantwortlichen auch die Klagen der Bundeswehr nicht mit, dass sie sich dort mit ihrer lausigen Ausrüstung im Stich gelassen fühlen.
Afghanistan als Schauplatz ist ohnehin ideal. Dort gibt es so gut wie nichts. Also kann auch nicht viel kaputt gemacht werden. Sonst hat man auch noch den Ärger mit der Assekuranz am Hals wegen Regressforderungen. Und wieso soll sich die Bundesregierung mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung herumplagen, wenn sie nicht mal gewillt ist, Verantwortung für deutsche Soldaten zu übernehmen?

