Seehofers Mittelstürmer in Berlin
Kolumne im Donaukurier vom 05. März 2010
Der Mann hätte es so gut haben können: Keiner kennt ihn. Keiner weiß, was eigentlich seine Funktion ist. Und das als Landesgruppenchef der CSU in Berlin! Dieser Mensch (Friedrich heißt er übrigens mit Nachnamen) ist quasi der Außenminister der CSU. Ein gewaltiges Amt, wenn man bedenkt, wie souverän ein Michael Glos seinerzeit darin aufging und der Partei in der Hauptstadt großes Gewicht verlieh. Oder um es genau zu formulieren: Der Landesgruppenführer soll im Sinne der Partei handeln. Und zwar nur im Sinne der Partei. Irgendwann viel später kann man über Loyalität zum Koalitionspartner diskutieren. Und noch viel später über so etwas wie Freundschaft mit der FDP.
Ansonsten: CSU geht vor. Und zwar in allen Belangen. Das muss deshalb explizit erwähnt werden, weil Herr Friedrich selber wohl eine unvollständige Stellenbeschreibung gekriegt hat. Oder er hat überhaupt ein völlig falsches Papier in Händen und handelt dementsprechend ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber die Parteizentrale beruft so einen Mann ja nicht, damit er langsam in die Rolle reinrutscht. Da muss es von Anfang an richtig zur Sache gehen. Mit Betonung auf richtig.
Statt falsch.
Denn Herr Friedrich hat einen bemerkenswerten Satz losgelassen diese Woche: "Ich verschweige nicht, dass Äußerungen von nicht zuständigen Politikern aus dem Süden des Landes störend sind." Klingt ja noch irgendwie diplomatisch und nicht unbedingt nach politischem Rowdytum.
Der Kardinalsfehler jedoch ist: Mit den nicht zuständigen Politikern meint er nicht die Opposition, sondern seinen Parteichef, der nebenbei auch noch Ministerpräsident und somit auch der Chef von Gesundheitsminister Söder ist. Söder wiederum ist der zweite Gemeinte.
Statt also Seehofers Mittelstürmer unter der Reichstagskuppel zu sein, entschied sich Herr Friedrich für ein Eigentor. Und zwar mit gewaltigem Anlauf. Um welches Thema es da geht, interessiert schon lange nicht mehr. Aber was treibt den Mann um? Muss er auf diese Weise eine Wettschuld einlösen? Das wäre noch die logischste Erklärung. Weiß er tatsächlich nicht, dass ein bayerischer Ministerpräsident und Parteichef immer zuständig ist und bei jedem Thema?
Bodenlos findet Seehofer die Attacke seines Untergebenen. Er entzieht Friedrich somit hochoffiziell den Boden unter den Füßen. Ab jetzt hängt der Landesgruppenchef in der Luft. Wenn er noch einmal zum Missverständnis neigt, wird er meinen, er könne fliegen.

