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Rhetorische Prostitution

Kolumne im Donaukurier vom 26. Februar 2010

Irgendwie hat der gute Guido das alles ja nicht böse gemeint. Er wollte ja nur sagen, dass Arbeit mehr Geld bringen sollte als Nichtarbeit. Dass Nichtarbeit mehr Zeit lässt, das Geld auch tatsächlich auszugeben, blendet Westerwelle komplett aus. Zu recht.
Denn Westerwelle lässt seinen Worten zwar keine Taten folgen, aber vorausgehen. Um die Westerwelleschen Thesen zu unterstützen, wurde diese Woche das wahre Arbeitspensum des Außenministers bekannt.
Ungefähr eine halbe Million Euro soll er zusätzlich nebenbei erarbeitet haben. Er hat nämlich Reden gehalten bei Unternehmen und wurde dafür fürstlich bezahlt. Jetzt kommen natürlich die Kritiker und behaupten, eine Rede zu halten sei keine Arbeit. Außerdem falle Reden bei Westerwelle unter Hobby, weil er eigentlich seit Jahren schon viel zu viel redet. Und nicht wenige würden ihm das Reden generell verbieten. Egal ob er Geld bekommt oder nicht. Oder er soll eine Art Sprachmaut zahlen. Pro Wort einen Euro oder so.

Was die Westerwelle-Mobber auf die Palme treibt: Er hat seine Reden unter anderem bei Schweizer und Liechtensteiner Banken (im Volksmund auch Schwerverbrecher genannt) sowie bei Hotels (im Volksmund auch Mehrwertsteuerschnorrer genannt) gehalten. Auf gut deutsch: Der deutsche Außenminister prostituiert sich rhetorisch bei der organisierten Kriminalität.

Das riecht nach absolut amoralischem Handeln. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet bedeutet das natürlich auch: Westerwelle unternimmt alles, um selber dem Sozialstaat finanziell nicht zur Last zu fallen. Und scheut dabei nicht mal den Kontakt zu dubiosen Kreisen.
Ein schlechtes Gewissen braucht er nicht haben. Davor schützt ihn ja schon die Mitgliedschaft in der FDP.

Sauer auf Westerwelle ist derzeit nicht nur Frau Merkel, sondern auch Herr Seehofer. Schließlich war die Rolle des Dampfplauderers und Störenfrieds in der Regierung generell der CSU und ganz speziell Horst Seehofer vorbehalten. Ein Seehofer lässt sich nicht von der Westerwelle wegspülen. Deshalb feuert er aus allen Rohren.
Kopfpauschale ist das Zauberwort. Manche verbinden das irgendwie mit dem Thema Gesundheit. Aber Seehofer fordert pauschal den Kopf von Westerwelle. Nur um mal pauschal nachzuschauen, ob da überhaupt was drin ist.

Laut Seehofer ist nichts so überzeugend wie die Realität. Aber wer bitte soll Westerwelle in die Realität zurückholen, wo doch die Realisten ihn auf den Mond schießen wollen?