Neujahrs-Szenario
Die Winterpause ist vorbei. Wir alle leben noch, aber das bewahrt uns nicht vor der Tatsache, daß wir wieder was arbeiten müssen. Leider deuten die Tendenzen darauf, daß es mit Deutschland ziemlich bergab geht. Nur zwei banale Beispiele des grauslig-deutschen Alltags: Frau Wussow will ihren Mann mittels Voodoo zurückgewinnen. Jenny Elvers will ihren Fast-Ex-und-hopp-Mann und Container-Narziß Alex trösten. Da sage noch einer, in Kongo oder Afghanistan gebe es ernsthafte Probleme... Darum stellen wir uns vorab die Frage: Worum geht es? Warum müssen wir dabei sein? Und wird es nicht Zeit, den Dschihad gegen all jene auszurufen, die uns die Parkplätze wegnehmen und/oder durch Dämlichkeit glänzen? Damit eines mal klar ist: Ich stelle hier nur die Fragen. Keine Antworten zu liefern, dafür sind andere zuständig. Fangen wir mit einer Nebensächlichkeit an: An Naddels Finger wurden am Flughafen Kokain-Spuren entdeckt. Somit stellt sich die Frage: Warum steckt sie ihre Finger in die Nase fremder Menschen? Letzten Endes kann uns das aber auch schon wieder egal sein, denn die wahren Probleme gehen ja nicht mehr von Drogen aus, sondern - siehe Beinahe-Exitus von George Bush - von Brezen. Nachdem die Erfolge mit Anthrax sich in Grenzen hielten, greift man jetzt also zu letalen Teigwaren. Drum mein Aufruf an die Bevölkerung: Sollten Sie in der Post ein Kuvert mit einer Breze finden, jaaaaaa nicht öffnen! Es könnte eine Terror-Breze sein! Sie sehen, der Weg vom Bäcker zum Terroristen ist kürzer als man denkt und keineswegs mit Tempolimits versehen. Der Bäcker als Gotteskrieger - das ist die Vision des beginnenden Jahrtausends. Womit wir auch zum Unwort des Jahres kommen: Gotteskrieger. Das riecht schon fast wieder nach einem neuen Showkonzept im Privat-TV: „Was kriegt Gott? Ein Ratespiel für Hobby-Theologen und Teilzeit-Oblatenmampfer". Aber leider geht es hier um wirklich ernste Dinge: Wieviel Zeit müssen Menschen haben, um sich mit dem Unwort des Jahres zu beschäftigen? Was sind das für Menschen? Arbeitslose Lehrer, die schuld sind an dem katastrophalen Abschneiden der deutschen Schüler bei der PISA-Studie? Vor ein, zwei Jahren begnügte man sich, die Bildungsreform durch die Erschießung von Lehrern voranzutreiben. Nüchtern betrachtet, muß man zugeben, daß diese Vorgehensweise nur begrenzt Erfolg hatte. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Disziplin in allen Lebenslagen, so auch im Schulsystem. Beispiel: Benito Mussolini, der große italienische Demokrat, war von Beruf Lehrer. Was haben wir entgegenzusetzen? Frau Bulmahn als Bildungsministerin hat eine freudlose Ausstrahlung wie jemand, der in der Kindheit zu wenig Schokolade bekam und viel zu selten von den Eltern geschlagen wurde. Und selbst wir in Bayern müssen uns mit der Strauß-Tochter Hohlmeier als Kultusministerin begnügen, die ihre eigenen Kinder auf die Waldorfschule schickt und somit ein Verhältnis zur Bildungspolitik hat wie Rudolf Scharping zu Linienflügen. Wenn ich das Unwort des Jahres zu wählen hätte, wäre meine Wahl eindeutig: Frau Merkel. So hat Edmund Stoiber nämlich die Sabine Christiansen in ihrer Talkshow angesprochen. Das war gemein vom Edmund. Wenn man diese Frau beleidigen will, kann man sagen: Frau Christiansen, Sie schauen aus wie ein holsteinisches Sumpfdromedar. Aber sie als Frau Merkel zu bezeichnen, ist schon sehr unter der Gürtellinie. Zumal Frau Christiansen viel mitmachen mußte in letzter Zeit. Erst ist sie die erste Moderatorin, die in ihrer eigenen Sendung nix zu sagen hat. Dann wird sie von ihrem Mann wegen sitzen gelassen wegen einem Wesen, wo man nur mit viel Phantasie von einer angenehmen Zeitgenossin sprechen kann. Und weil das alles nicht reicht, wird sie auch noch in aller Öffentlichkeit von Berlins Bürgermeister Wowereit abgebusselt. Wowereit - der mit dem „Ich bin schwul und das ist gut so" - ist sich ja auch nicht zu schade, die PDS zu kuscheln, wenn er dafür regieren darf. Ein Mann, der die Christiansen freiwillig abschmust, muß schwul sein. Somit hat der jetzige und wohl auch zukünftige Kanzler-Kandidat Edmund Stoiber einen hehren Auftrag: Es geht darum, von Süden her ein Bollwerk zu schaffen gegen Wowereit/Gysi bzw. diese Berliner Mischung aus Dekadenz und Kommunismus. Wer oder was soll ihm dabei helfen? Sven Hannawald? Tommy Haas? Oder etwa Innenminister Schily? Schily bewegt sich ja schon seit geraumer Zeit rechts von der CSU. Und daß ihm Deutschland sehr am Herzen liegt, sieht man an seinen V-Männern, die - zumindest teilweise - zwar nicht dem demokratischen, aber immerhin doch sehr patriotischen Spektrum entspringen. Alles in allem kann man guten Gewissens in die Zukunft schauen. Denn es sieht recht gut aus. Für wen auch immer...
[ 24.01.2002]

