Moderne Beutekunst
Kolumne im Donaukurier vom 21. Mai 2010
Sollten die Gerüchte stimmen, geht die Bundesregierung mit dem vielen Geld, was er dem Steuerzahler abknüpft, nicht vernünftig um. Die Regierung jetzt dafür zu schimpfen, wäre unredlich. Denn bisher gab es noch keine einzige Koalition, die mit dem Vorhandenen zurecht kam. Es ist quasi ein ungeschriebenes Gesetz: Solange man in der Opposition ist, ist man zuständig für Sparvorschläge. Und diese wirft man sofort über Bord, wenn die Oppositionszeit endet. Man spart sich dann quasi die Einsparungen, was auch schon irgendwie wieder eine Einsparung ist.
Damit soll jetzt Schluss sein. Finanzminister Schäuble will von jedem Minister wissen, wie in jedem Ressort drei Milliarden weniger ausgegeben werden können. Aber erstens reicht das nicht. Und zweitens muss der Staat sich um neue Einnahmemöglichkeiten Gedanken machen.
Aber woher nehmen, wenn nicht klauen? Oder anders gefragt: Warum nicht klauen? Gegen Klauen ist schließlich nichts einzuwenden, solange nicht der Eindruck von Diebstahl entsteht. Also darf der Gesellschaft dabei kein Schaden entstehen. Wie das geht, zeigt ein sehr aktueller Fall aus Paris: Da haben Kunsträuber ein paar Gemälde im Wert von einer halben Milliarde Euro mitgehen lassen. Und das sind tatsächlich lediglich bemalte Leinwände! Keine Meisterwerke aus dem Laserdrucker!
Im Prinzip nur banales analoges Zeug. Und das soll eine halbe Milliarde wert sein? Wie viele Stunden sind denn die Maler da dran gesessen? Und bei welchem Stundensatz? Allein dieses Preisbeispiel dokumentiert, dass der Euro längst nicht mehr so stabil ist.
Durch diesen Klau muss niemand hungern oder um seinen Job bangen.
Sozialmoralisch und volkswirtschaftlich ist also tatsächlich kein Schaden entstanden. Es ärgern sich höchstens die steinreichen Eigentümer der Gemälde, dass sie das Geld doch nicht in Immobilien investiert haben. Immobilien kann man nämlich, wie der Name schon sagt, eher schlecht mitgehen lassen. Jedenfalls sollte die Aktion in Paris ein Denkanstoß für Schäuble sein. Wenn er einfach ein paar Teile aus den Museen klaut und verscherbelt statt dauernd nur zu sparen oder Steuern zu erhöhen, ist allen gedient. Den Alteigentümern tut es höchstens ideell weh, auf die Kunstwerke fortan verzichten zu müssen.
Und die Neueigentümer, die das Zeug dem deutschen Staat abkaufen, scheinen eh nicht zu wissen, wohin mit all dem vielen Geld. Ein bisschen Beutekunst ist da sicherlich werthaltiger als Euro-Anleihen.

