Liberalitas Bavariae
Kolumne im Donaukurier vom 09.07.2010
Das Wichtigste vorab: In Bayern droht kein Bürgerkrieg. Das hat Innenminister Herrmann diese Woche explizit vermeldet. Es hat zwar auch keinerlei Hinweise auf bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Ober- und Niederbayern oder Misstöne zwischen Franken und Altbayern gegeben. Aber dennoch ist das schon beruhigend, wenn der Innenminister bestätigt, dass die Ruhe in Bayern keine Ruhe vor dem Sturm ist, sondern eher Ausdruck des allgemeinen Befindens im Freistaat. Anlass für diesen Kommentar war der Sieg der Nichtraucherinitiative. Damit ist Bayern natürlich Vorreiter für ein bundesweites Rauchverbot. Herrmann setzt auf die Anpassungsfähigkeit des mündigen Bürgers. Die Polizei wird nicht Raucher kontrollieren, wenn nebenan gerade ein Verkehrsunfall passiert ist. Das ist doch schon mal ein schönes Schlupfloch für Raucher. Also sollte sich niemand wundern, wenn an gefährlichen Kreuzungen immer mehr Lokale und Kneipen demnächst eröffnen. Es ist also genug Raum für die vielgerühmte Liberalitas Bavariae. Zumindest in diesem Jahr noch. Die Wirte zeigen sich nicht sonderlich schockiert über das harte Rauchergesetz. Im Gegenteil, sie weisen bewusst auf einen pfleglichen Umgang mit ihren Gästen hin.
Gemessen an internationalen Standards ist das natürlich ein Fortschritt. Das wiederum passt zur CSU. Konservativ heißt nämlich, die Speerspitze des Fortschritts zu sein. Das sagte weiland Franz Josef Strauß. Und wenn einer in Bayern immer recht hat, dann er.
Neuerungen wurden in Bayern immer problemlos umgesetzt. Herrmann erwähnt dabei Beispiele wie die neuen Postleitzahlen oder die Anschnallpflicht. Das stimmt auch. Wer vorher im Bierzelt war oder im Wirtshaus, bringt in der Regel nachher die Postleitzahlen nicht durcheinander und schnallt sich trotzdem an. Was aber nicht heißt, dass jeder, der sich nicht anschnallt, automatisch ein Nichtraucher sein muss. Darum will es Herrmann nicht übertreiben mit der Aufsichtspflicht der Polizei. Der Minister hat glasklar festgestellt:
Daher hat sich die CSU auch nicht allzu vehement gegen den neuen Trend gewehrt. Auf dem Oktoberfest darf außerdem sowieso geraucht werden.
Ein Wiesn-Wirt sagte im Interview mit der Presse: Falls doch Gäste im Bierzelt rauchen, verzichtet er auf körperliche Misshandlungen. Das deutet doch sehr auf einen zivilisierten Umgang hin. Und wenn nicht mal die Wirte Gäste verprügeln, hat ein Bürgerkrieg wirklich keine Chance.

