Künftig Sonderabgabe auf Dickmacher im ICE?
Kolumne im Donaukurier vom 23. Juli 2010
Eigenverantwortlichkeit ist wieder groß im Kommen. Je weniger Geld die öffentliche Hand hat, umso weniger Verantwortung für den Einzelnen will sie übernehmen. Wer selber schuld ist, soll auch selber die Schulden tragen. Das klingt schon mal vernünftig, weil der Mensch an sich ja unvernünftig ist. Derzeit ist das besonders deutlich sicht-und spürbar. Da setzen sich Menschen beispielsweise tatsächlich immer noch mit voller Absicht in Züge, obwohl es draußen eh schon heiß genug ist.
Vielleicht sind das aber auch nur noch diejenigen, die einfach mal so nebenbei die 500 Euro kassieren wollen. So viel Geld hat nämlich die Bahn als Prämie ausgelobt, wenn einer im ICE kollabiert. Das erinnert ein bisschen an das Dschungelcamp im Privatfernsehen, wo es eine Belohnung gibt, wenn man die Ekelprüfung erfolgreich absolviert. Eine Ekelprüfung der besonderen Art sehen jedoch immer mehr Bürger darin, dass ihre Augen so oft mit massivem Übergewicht konfrontiert werden.
Sie fühlen sich quasi ästhetisch belästigt. So ändern sich die Zeiten!
In den Wirtschaftswunderjahren der 50er und 60er war eine gehörige Wampe ein Statussymbol der Oberschicht. Heute aber gilt die Ausbuchtung im Großraum des Nabels eher als ein Merkmal der Unvernunft. Also irgendwie typisch für den Menschen. Das wollen jetzt einige Politiker nicht mehr so hinnehmen. Wer Mensch sein will, soll auch für die Folgekosten aufkommen. Das Gesundheitssystem darf und muss also solidarisch bleiben. Aber nur für Normalgewichtige. Die Kontrolle gestaltet sich natürlich nicht so einfach. Der Staat kann ja nicht einfach den GEZ-Horden noch zusätzlich eine Waage in die Hand drücken. Von politischer Seite favorisiert wird eher eine Sonderabgabe auf Dickmacher wie Schokolade. Damit spaltet man insgeheim das Lager der Übergewichtigen. Es gibt dann die bösen Dicken, die sich mit Süßigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes erschweren. Und die guten Dicken, deren Leibesfülle auf leicht überdurchschnittlichem Konsum von Schweinshaxn und Wammerl beruht. Um diese Ungerechtigkeit zu vermeiden, wäre eventuell eine andere Faustformel angebrachter: Essen darf jemand erst, nachdem er einen entsprechenden Kalorienverbrauch nachgewiesen hat. Das würde nämlich automatisch zu mehr Bewegung führen. Zudem muss der Zugang zu diesen Fettbomben erschwert werden.
Der Vertrieb von Schokolade und Schweinshaxn sollte daher nur noch im ICE erlaubt sein.

