Hitzegleis
Kolumne im Donaukurier vom 16. Juli 2010
Die Deutsche Bahn hat ein großes Imageproblem. Das ist vorneweg gleich mal eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Die Imageprobleme sind ein Klacks gegen die anderen Schwierigkeiten. Aber es gibt natürlich auch genug Fachgebiete, auf denen die Bahn sehr zuverlässig ist. Spitze ist die Bahn beispielsweise beim Abbau von Schaltern und Personal. Das geht reibungslos und ohne großen Zeitverlust. Weltklasse sind die Eisenbahner auch beim Finden von Argumenten für eine neue Preisrunde. Eigentlich gibt es generell gar keinen Grund, um mal die Preise für ein ganzes Jahr stabil zu halten. Irgendwas ist schließlich immer. Egal ob der Winter zu spät kommt oder der Sommer zu früh.
Grundsätzlich sollte jedoch ein Missverständnis geklärt werden. Die meisten Bürger glauben, Sinn und Zweck der Bahn besteht in der Beförderung von Lebewesen oder Gütern. Das stimmt so natürlich nicht.
Das primäre Ziel ist der Börsengang. Dazu muss natürlich in erster Linie die Kostenseite sauber frisiert werden. Eine völlig unnütze, weil zeit- und nervenraubende Angelegenheit ist beispielsweise die Wartung der Züge. Durch Wartungsarbeiten verdient die Bahn keinen einzigen Euro. Daher haben weise Kostenkontrolleure die Wartung zur Nebensache erklärt.
Und dass jetzt ein paar Dutzend Kinder im ICE kollabierten, darf sowieso nicht der Bahn angelastet werden. Nirgendwo steht geschrieben, dass ein Zug eine gewisse Temperatur weder über- noch unterschreiten darf. Und gerade im Umgang mit Kindern hat die Bahn konzeptionell überzeugt. Nachts im Winter darf der Schaffner Kinder in der Kälte grundlos aussetzen. Dafür müssen sie im Sommer bei Hitze drin bleiben.
Das ist ein fairer Kompromiss. Außerdem sind Klimaanlagen auch nur Menschen und somit nicht ewig belastbar. Im ICE ist die Kältetechnik auf maximal 32 Grad Außentemperatur angelegt. Sollte es mal wärmer werden wie dieser Tage, reagiert die Klimaanlage wie ein normaler Arbeitnehmer. Sie geht heim und wartet auf den angenehmen Herbst. Die Bahn definiert Wartung quasi neu. Als Steigerung von Warten.
Um das Image wieder aufzupolieren, muss die Bahn die neuesten Vorfälle optimal kommunizieren und als Energiesparmaßnahme verkaufen. Statt Strom für die Klimaanlage zu verplempern, wird die Sonnenenergie genutzt, um die Waggons zu heizen. Gekühlt wird spätestens im Winter wieder. Denn auch wenn es die Bahn nie glaubt: Der nächste Winter kommt bestimmt.

