Genug Asche für alle
Kolumne im Donaukurier vom 23. April 2010
Wer hätte gedacht, dass ein lausiger Vulkanausbruch solche gigantische Auswirkungen haben könnte? Kaum speit dieser Ejatöftlmüftldingsbums, wird so manch einer auf den Boden zurückgeholt, der sich als Überflieger wähnte. Allen voran die Herren Mixa und Ribéry. Beide mussten völlig überrascht feststellen, dass für sie die gleichen Regeln gelten wie für andere auch. Und noch schlimmer: Sie mussten auch von außen darauf hingewiesen werden, dass sie Menschen sind wie andere auch. Ob und wie sie mit dieser neuen Erkenntnis umgehen können und wollen, wird die Zukunft noch zeigen. Oder eben nicht.
Vor allem Mixa ist quasi ein Opfer der Moderne. Was waren das doch für gemütliche Zeiten früher, wo sich Geistliche auf persönlichen Wunsch aufführen konnten wie? Nun, vielleicht nicht ganz wie die Axt im Walde, aber zumindest wie der Teppichklopfer im Pfarrhaus. Dass Mixa Kinder verprügelte und mit der Faust ins Gesicht schlug, ist für ihn eine Lappalie. Oder gar ein Akt der Zuneigung. Gut, es mag durchaus Leute geben, die ihren Spaß daran haben, wenn sie verdroschen werden. Das sind in der Regel jedoch Fußballhooligans und nicht kleine Kinder, die sich nicht wehren können. Mixa hätte zurücktreten können. Aber er zog es vor, zurückgetreten zu werden. Damit hat er seinen Kollegen einen Bärendienst erwiesen. Geistliche, denen tatsächlich am Wohl ihrer Mitmenschen liegt, stehen da wie ein Schlägertrupp, der hofft, dass sich seine Opfer bedeckt halten. Und das alles nur, weil die Gesellschaft sich in den letzten Jahren so negativ entwickelt hat, dass sie Kindesmisshandlung nicht ganz oben auf die Liste der beliebtesten Hobbys setzt.
Wenn sich Mixa nun zur inneren Einkehr begibt, kann er eigentlich gleich ein Doppelzimmer buchen und Franck Ribéry einladen. Auch der Fußballstar hat menschlich versagt und damit vor allem seine Kameraden im Stich gelassen. Seit Monaten befindet er sich im Sinkflug. Im Halbfinale gegen Lyon ließ er die Bruchlandung folgen. In einer Mischung aus Frust und Wut testete er die Bruchfestigkeit eines gegnerischen Sprunggelenks. Im wichtigsten Spiel seit vielen Jahren.
Sein Egoismus schadete also gar nicht so sehr dem Gegner, sondern der eigenen Mannschaft und am allermeisten ihm selber. So gesehen hat die Eruption des Ejatöftlmüftldingsbums auch was Positives. Mixa und Ribéry haben die Gewissheit: Es ist genug Asche da, um es auf ihr Haupt zu streuen.

