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Neuheiten

Friedensmission in Südafrika

Kolumne im Donaukurier vom 28. Mai 2010 

Deutschland steht vor einer großen Fußball-WM und einer noch größeren Sparrunde. Da kommt eine Sinnkrise in der Verteidigung zur absoluten Unzeit. Die Bundesheroen Löw und Guttenberg wurden auf dem falschen Fuß erwischt, weil deren Chefs Merkel und Zwanziger immer öfter mit dem falschen Fuß aufzustehen scheinen. Ausbaden dürfen es Jogi und der Baron. Ersterer beklagt einen Mangel an Spielern, Letzterer einen Mangel an finanziellen Mitteln.

Löw sucht sein Heil in der Offensive. Je mehr Abwehrspieler ausfallen, umso mehr Stürmer werden engagiert. Mit Podolski, Gomez und Klose als Stammspieler will der Bundestrainer quasi über den Frust zum Kampf und irgendwann zum Spiel finden. Schaut man sich die Saisonleistung dieses formidablen Trios an, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sich die deutsche Elf auf einer Friedensmission befindet in Südafrika. Und dass Defensivstrategen wie Arne Friedrich mitmischen dürfen, ist wohl dem Vorschlagsrecht von Amnesty International geschuldet. Dieser Friedrich hat sich seine WM-Chance verdient, weil er mit Hertha BSC abgestiegen ist. Die Nominierung soll praktisch ein fairer Ausgleich für einen verkorkste Saison sein. Und bei einer WM muss schließlich ein Hauptstadtvertreter mit an Bord sein. Da kann auf Nebensächlichkeiten wie Qualität nicht geachtet werden.

Mit der Qualität seiner Truppe ist Guttenberg hingegen sehr zufrieden.
Aber ihn trifft nicht nur der Sparzwang der Bundesregierung, sondern auch die strukturellen Verschiebungen bei der Bundeswehr. Nachdem der Trend eindeutig zu mehr Auslandsfilialen geht, soll im Inland abgespeckt werden. Kleinere Standorte haben keine Daseinsberechtigung mehr. Und die Aufgaben sind nicht nur weniger geworden im Landesinneren, sondern haben sich auch gewandelt. Die Bundeswehr kommt eigentlich nur bei Hochwasser zum Einsatz. Und diese Gefahr droht nur im Osten. Weil aber die meisten Soldaten aus dem Osten im nicht gerade hochwassergefährdeten Afghanistan ihren Dienst verrichten, müssen an der Oder die Kameraden aus dem Westen ran. Das ist für Leute aus Bayern schon auch so etwas wie ein Auslandseinsatz. Dafür brauchen sie jedoch nicht Soldat zu sein. Da reicht es, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu sein. Und ein Schlauch ist definitiv billiger als eine Kanone. Sollte Löw in der Vorrunde ausscheiden, steht ihm das Wasser bis zum Hals. Guttenbergs Truppe hingegen kann nicht ausscheiden.
Rausfliegen ist nur bei der FIFA möglich. Nicht bei der NATO.