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Neuheiten

Ei hob, wie will hääf lacki!

Jahresrückblick 1999

Es war ein ereignisreiches Sportjahr´99, was allein schon durch die Masse an Sportereignissen weniger überrascht. Eine Reihe an Peinlichkeiten, Lustigkeiten und teilweise Erfolgen bescherten uns die Münchner Bundesligisten, DFB, DTB, Formel 1 und natürlich ein gewisser Herr Baumann, der - wir ahnten es schon - weder von duracell noch von vita buerlecithin angetrieben wird. Nein, es war Nadrolon. Dieses Gift, das nicht nur durch Dr. Best in der Zahnpasta, sondern angeblich auch in der Pasta al Zvuigsuffa von Mario Basler war, weshalb dessen manipulierter Hormonspiegel in einer Regensburger Pizzeria ausrastete. Vielleicht hätte Lizarazu lieber ihm statt Loddar eine scheuern sollen, damit er wieder klaren Kopf bekommt. Ob es an der einen Watschn lag, daß Loddar in New York rhetorisch zu überzeugen wußte? "Ei houb, wie will hääf lacki" würde man sonst eher von einem Gilchinger erwarten, der zu lang auf der Love Parade war. Aber was soll´s, unserem Jungbrunnen sei´s verziehen, wirkt er doch seit seiner Romanze mit einer unlängst der Pubertät entflohenen Arzttochter erst recht wie ein Teenie. Schade, daß er uns bald verlassen wird. Verlassen vom Glück war der FC Bayern: Meister und Herbstmeister´99, aber zuviel Zeit (Euro-Pleite gegen Manchester) und zuwenig Elan (Pokalpleite gegen Bremen) trübten doch gewaltig die Bilanz. Ganz zu schweigen von der Derby-Schmach, obwohl aufgrund der fehlenden Lorant und Babbel die Chancen für Effe & Co. so gut wie noch nie standen. Für die 60er wiederum wurde dadurch das zu Ende gehende Jahrtausend zum bisher erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. Schon allein deshalb hätte es uns gewundert, wenn Trainer Lorant seine 78. Rücktrittsdrohung wahr gemacht hätte. Die Löwen sind auf Champions League-Kurs, die desolate Rückrunde im Frühjahr wollen wir vergessen. Nicht vergessen dürfen wir Münchens neue Nr. 1 Unterhaching. Das ist kein Ulk und auch kein statistischer Fehler, denn in der Heimtabelle rangiert Köstners Team mit dem gewieften Altmeister Grosser im Hintergrund vor den "großen Brüdern". Ein richtungsweisendes Jahr für den Münchner Vorort, auf daß es weiter nach oben geht und die Fans an Zahl zunehmen. Viele Fans gewonnen hat die Gurkentruppe des Erdäpfelhändlers Egidius Braun ("Elf Kartoffeln müßt Ihr sein!"). Traumhaft, wie Fußball-Giganten wie Schottland (0:1) oder die USA (0:3) zerlegt wurden. Ein Genuß, wie die deutsche Elf die Türken in der EM-Quali (0:0) demütigte. Wen wundert´s, daß Erich Ribbeck mittlerweile den Anschluß bei der Telekom statt im Weltfußball sucht? Den Erich trifft wirklich keine Schuld beim motivationslosen Rumgetrabe von Söldnern (damit tut man den Söldnern unrecht, weil die sich wirklich reinhängen für ihre Auftraggeber). Erfolg läßt sich eben nicht kaufen. Ob das gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Man kann mit Millionen herumschmeißen, aber im entscheidenden Moment fehlt dann doch der vierte Reifen. Zu dieser Erkenntnis kam in diesem Jahr auch Ferrari bzw. Eddie Irvine. Ob man für diese Erleuchtung wirklich erst Schumi in einen Reifenstapel in England (zufällig das Land, das Mannesmann kaufen und BMW ruinieren will) donnern lassen mußte, sei auch dahingestellt. Riecht irgendwie nach einer britischen Verschwörung, was durch die doppelte Auslosung im Fußball (WM-Quali und EM-Endrunde) zusätzlich untermauert wird. Trostpflaster: Mercedes (Deutschland!) wird Weltmeister. Die übrigen Verwirrungen in puncto Abmessungen, Disqualifikationen und willkürlichen Interventionen von Bernie Ecclestone lassen nur den Schluß zu, daß die FIS ihr Regelwerk genauso beherrscht wie Gesundheitsministerin Fischer ihre Reformvorschläge. Daß Reformen den Deutschen Tennis Bund auf Vordermann bringen können, daran glaubt wirklich einzig der Osterhase bzw. Prof. Karl Weber, wobei hier die Frage gestattet sei, wo der Unterschied liegt. Boris ist endlich drin, Weber längst draußen, ohne je richtig drin gewesen zu sein. Boris tritt ab und wird undiplomatischer Tennisdiplomat, Steffi tritt ab, weil irgendwann mal Schluß sein muß und ihre Liason mit Agassi nie und nimmer ein PR-Gag ist. Was dem deutschen Tennis bleibt, ist ein Kiefer, der Erfolg, aber kein Image hat. Besser als umgekehrt. Was bringt uns ein aalglatter Ferrari-Haas, der bei Gottschalk auf der Couch sitzt, sich mit sebamed einschmiert und Papas PR-Phrasen absondert? Die Hoffnung bei den Damen hingegen heißt bereits im zehnten Jahr Anke Huber, hat immer noch Hamsterbacken, unsolide Form und ein postkommunistisches Techtelmechtel. Fazit des Sportjahres´99: Viele Zahlen, viele Fakten, aber irgendwie "feids vom Boa weg". Vielleicht wird nächstes Jahr alles besser? IOC-Samaranch soll bereits bei Kohl, Rau und Glogowski angefragt haben, ob sie eventuell für den IOC... Aber das war ja vorauszusehen. Also denn, richten wir den Blick nach vorn, Freunde der Sonne!

[Abendzeitung, 30.12.1999]