Django Asül in New York
Ich gebe zu: Die letzten Wochen war ich für die Außenwelt mehr oder weniger verschollen. Natürlich denken sich jetzt viele Leute das, was sich auch meine Nachbarn gerne denken: „Der macht mal wieder Urlaub." Jetzt ist an dieser Stelle das „mal wieder" sowieso von Haus aus verkehrt, weil bei mir die zeitliche Differenz zwischen zwei Urlauben so groß ist, daß man schon lange nicht mehr von einer Wiederholungsaktion sprechen kann. Und wie ich tatsächlich die letzten Wochen verbracht habe, weiß niemand besser als Mane und Ekki. Mane ist mein Grafiker und WebMaster, Ekki der Toningenieur. Beide haben eines gemeinsam: Sie hatten viel Arbeit wegen und mit mir, weil sie eben mitverantwortlich zeichnen für die neue CD. Und somit lasse ich die Katze aus dem Sack: Im September erscheint mein neues Programm endlich auf CD! Fachleute zeigen sich sogar begeistert, während sich meine Euphorie in geregelten Bahnen hält, weil ich ja schon immer so schräge Ansichten und Denkweisen habe und mich selber somit kaum mehr überraschen kann. Gut, jetzt mag der eine und/oder andere glauben, daß alle Arbeit getan ist und ich jetzt in den Urlaub fahren kann. Aber auch das schrammt an der Realität vorbei. Denn ich muß nach - Achtung, festhalten! - nach New York. Ja, liebe Freunde, Ihr habt richtig gelesen: New York. Das ist ziemlich weit weg, aber der Grund meines Trips liegt ziemlich nach: Die US Open, das härteste Tennisturnier der Welt. Bevor Ihr Euch die Frage stellt, ob ich nix Besseres zu tun habe, als mir in Flushing Meadows Agassi & Co. anzutun, sei gleich vorausgeschickt: Es ist - wie so ziemlich alles bei mir - eine Dienstreise. Also nix von wegen Highlife in Downtown und so. Ich bin nämlich sowohl Offizieller als auch Journalist vor Ort. Offizieller deshalb, weil mich der langjährige ATP-Schiedsrichter Rudi Berger zum Vertrauensmann erkoren und mich als einzig würdige Begleitperson auserkoren hat. Journalist daher, weil mich die Münchner „tz" vor Ort schreiben läßt über das seltsame Treiben auf der Anlage abseits der Tenniscourts. Rudi Berger ist nämlich nicht mehr Schiedsrichter, sondern Turnierdirektor der BMW Open in München, und in dieser Funktion muß er ständig die Weltklassespieler kontaktieren, damit sie auf sein Turnier nächstes Jahr im Mai kommen. Ich als Südländer muß mich dann wohl um die Spanier und Südamerikaner kümmern, die von der mentalen und charakterlichen Beschaffenheit mir als türkischen Niederbayern am ähnlichsten kommen. Untergebracht bin ich übrigens im Spielerhotel. Ein 5-Sterne-Schuppen mit zivilen Preisen. Und selbstverständlich werde ich meine alten Spezln wie John McEnroe oder Jimmy Connors kontaktieren und mit ihnen die guten alten Zeiten begießen. Vielleicht laufe ich ja auch zufällig Steffi Graf über den Weg und sie zeigt mir ihren Bauch, wo demnächst angeblich ein Baby rauskommen soll. Auf jeden Fall werden viele Fotos gemacht, die ich nach der Rückkehr auf die Homepage setzen werde, damit auch all die Leute hierzulande Einblick gewinnen können in die knallharte Welt des internationalen Sportjournalismus. Ich freue mich schon sehr auf die Abwechslung, zumal bei den Arbeiten im Tonstudio es manchmal ziemlich langwierig zuging. Ekki meinte immer wieder, daß an diversen Stellen der CD der Groove fehlt. Das sagte er mir in seinem kleinen Studio außerhalb Münchens in der Pampa. Aber ich kann ja nicht einfach in die nächste Ortschaft fahren und an der Tankstelle Groove besorgen. Nach einigen Anläufen war der Groove jedenfalls plötzlich wieder da, die CD wurde fertig, und alle waren und sind glücklich. In welcher Verfassung ich sein werde, wenn ich aus New York zurückkehre, weiß ich nicht. Aber sicher ist: Ich komme zurück. Denn die Bühnen und Kameras dieser Nation können ja nicht ewig auf mich warten. Und da ich eh bald wieder zurück muß, mache ich jetzt Schluß und setze mich ins Flugzeug. Ich habe auch schon das Rückticket in der Tasche, womit ein Absturz auf dem Hinflug auszuschließen wäre...
[ 27.08.2001]

