Die Umstrukturierung Bayerns nach Seehoferschem Gusto
Kolumne im Donaukurier vom 30. Juli 2010
Nachdem Horst Seehofer endgültig eingesehen hat, dass aus der schwarzgelben Koalition in diesem Jahrtausend wohl keine brauchbare Regierung mehr wird, muss er sich logischerweise umorientieren. Für ihn ist Politik kein Selbsterhaltungsapparat, sondern Mittel zum Zweck. Da Frau Merkel scheinbar keinen Zweck hat, kann sich der Ministerpräsident guten Gewissens ausschließlich bayerischen Belangen widmen. Aber da bietet Bayern für einen Landesherrn natürlich katastrophale Bedingungen: die Wirtschaft funktioniert, im Fußball ist man sowieso obenauf und kulturell geht von Neuschwanstein bis Bayreuth die Post ab. Was bleibt da noch übrig an Betätigungsfeldern? Wäre Seehofer Regimeführer in Venezuela oder Nordkorea, könnte er wenigstens mit einer permanenten Mobilmachung das Volk bei Laune halten. Aber Bayern hat ganz und gar keinerlei imperialistischen Ambitionen und will eigentlich nur seine Ruhe. Und natürlich seine Gaudi. Genau da setzt Seehofer jetzt an mit seinem neuen Steckenpferd:
Olympia!
Ursprünglich waren die olympischen Spiele eher für München mitsamt den üblichen Vororten wie Garmisch, Kitzbühel und Bozen angedacht. Quasi als großbayerische Winterspiele. Nur haben die Organisatoren die Rechnung ohne den Wirt beziehungsweise dem ortsansässigen Bauern gemacht. Deshalb erinnert Garmisch-Partenkirchen derzeit an ein unbeugsames Dorf in Gallien seinerzeit. Einige Landwirte stellen sich quer, weil sie nicht wollen, dass auf ihrem Boden Eisstockschützen und Bobfahrer ihr Unwesen treiben. Selbst das Eingreifen von Staatsminister Sigi Schneider sorgte zwar für gute Stimmung, aber keine brauchbaren Ergebnisse im Sinne des Freistaates.
Aber Schneider wäre nicht Schneider, wenn er den Bauern nicht ein Versprechen abgerungen hätte. Und zwar dass sie auch gegenüber Seehofer so unbeugsam bleiben, damit Schneider nicht als Nullnummer in die Annalen eingeht. Seehofer wäre jedoch nicht Seehofer, wenn er nicht schon einen praktikablen Plan B parat hätte: Olympia wird einfach in die Seehofersche Heimatregion verlegt. Also Ingolstadt statt München. Reichertshofen statt Garmisch. Gaimersheim statt Partenkirchen. Die Audi-Teststrecke wird zur Bobbahn. Überhaupt wird Seehofer insgeheim Bayern umstrukturieren wollen, um Merkel zu zeigen, was in diesem Land alles machbar ist. Die Allianz-Arena rückt Jahr für Jahr näher an Ingolstadt. Wer da noch von Zufall spricht, hat nichts kapiert.

