Denkzettelwahl
Kolumne im Donaukurier vom 18. Juni 2010
Langsam wird es eng für Merkels Liebling Wulff. Die Gauck-Front wird immer stärker. Erst waren es einige versprengte Ost-FDPler, die ihre Sympathien für Gauck kundtaten. Dann kamen einige Ost-Unionisten dazu.
Und mittlerweile fragen sich auch immer mehr schwarzgelbe Wessis, ob Gauck als Nichtpolitiker vielleicht doch der richtige Mann wäre. Wobei diese Diskussion sowieso nur halbherzig bis halbwahr ist. Sollte Wulff es tatsächlich nicht schaffen am 30.Juni, kann er sich bei der Kanzlerin bedanken. Nicht wenige schwarzgelbe Wahlmänner und -frauen freuen sich diebisch darauf, ihrem Unmut gegenüber Merkel mit einer Denkzettelwahl Ausdruck zu verleihen. Die Politiker nehmen also die Politik selber nicht mehr so ernst. Und das ist auch ein gutes Zeichen, wenn die Verbissenheit ein bisschen zurückweicht. So wird auch die Wahl am 30.Juni zu einer staubtrockenen Angelegenheit, deren Ausgang schon vorher klar ist wie bei dem letzten Mal.
Den Linken geht diese Öffnung allerdings nicht weit genug. Die SED-Erben haben daher ein ganz klares Ziel: Die Bundespräsidentenwahl muss ein echtes Kasperltheater werden. Wie ernst ihnen der Spaß ist, zeigt die Bereitschaft, eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken.
Und was für eine! Die Frau Jochimsen war zwar bis dato nicht so bekannt. Aber sie tut alles, um bundesweit die Schlagzeilen zu dominieren. Das geht in der Regel am besten mit einem unseligen Vergleich aus den 30er Jahren. Frau Jochimsen entschied sich eher für eine kreativere und zeitlich nähere Variante. Ihr offizieller Standpunkt lautet: Die DDR war kein Unrechtsstaat. Weil nicht alles unrecht war, was die DDR machte. Und als aufrechter Demokrat mag man der Vorzeige-Linken auch recht geben. Denn die DDR hat Leute, die ihr nicht in den Kram passte, nicht sofort erschossen. In der Regel wurden sie nur eingesperrt, in ihrer Berufswahl eingeschränkt und an der Ausreise gehindert. Also ganz normale Umgangsformen in einer Bürgergesellschaft. Und ob all die Mauertoten nicht an ihrer eigenen Tölpelhaftigkeit gescheitert sind, wurde nie so richtig aufgeklärt.
Nach der Wende hat sich schließlich ein gewisser Gauck um die Aufklärung gekümmert. Aber der wollte ja immer nur Bundespräsident werden und gilt somit als vorbelastet. Durch ihre Einlassungen sind Frau Jochimsens Chancen natürlich enorm gestiegen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie behauptet, dass die Berliner Mauer schon 1933 geplant wurde.

