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Neuheiten

Bildungschip statt Nachhilfe?

Kolumne im Donaukurier vom 20. August 2010

Wieder einmal hat irgendein Test oder irgendeine Umfrage oder irgendeine Erhebung festgestellt, dass Bayerns Schüler immer vorn dabei sind. Das an sich ist keine allzu neue oder überraschende Erkenntnis. Doch immer wieder gibt es Leute, die das nicht so auf sich beruhen lassen wollen oder können. Als ob es so schwierig ist zu akzeptieren, dass bayerische Kinder ganz helle Köpfe sind. Ein typischer Vorwurf lautet: Es ist keine Kunst, in Deutschland zur Spitze zu zählen, weil Bildung Ländersache ist. Und in einigen Bundesländern steht es leider nicht gut um die Bildung. Die Bandbreite hat da einiges zu bieten. In Bayern oder Baden-Württemberg ist es in der Regel so, dass die Mehrzahl der Kinder als Analphabeten in die Schule kommt. In Bremen verlassen Kinder die Schule angeblich als Analphabeten. Und noch angeblicher kann es in Berlin passieren, dass sogar die Lehrer Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben, weil sie die meiste Zeit nicht mit dem Schulstoff, sondern mit Selbstverteidigung beschäftigt sind. Dementsprechend ist es schwierig, eine einheitliche Linie bei dem Thema Bildung zu finden. Denn jeder hat etwas zu befürchten: Die einen gehen davon aus, dass sie dann ganz den Anschluss verlieren und nur noch als Praktikanten in Bangladesh in Frage kommen. Die anderen haben keine Lust, absichtlich das Niveau herunterzuschrauben aus falsch verstandener Solidarität heraus.

Jetzt aber wird alles besser. Der Bildungschip soll kommen. Das sorgte in weiten Elternkreisen für große Freude: Endlich kriegen die Kinder einen Chip eingepflanzt, wo alles drauf ist, was man in so einem Kindskopf drin sein sollte. Das ganze umsonst rausgeschmissene Geld für Nachhilfe kann endlich sinnvoll ausgegeben werden für die neueste Playstation oder Schlankmacher a la Snickers und Chips. Als Eltern muss man sich nicht mehr Zeit nehmen für die Geschöpfe, die man einst bewusst oder unbewusst in die Welt gesetzt hat, nur um viel zu spät zu merken, dass sie eigentlich einem nur den letzten Nerv rauben. Die einzig zwingend nötige Kommunikation mit dem Kind besteht darin, ab und zu ein Update beim Chip vorzunehmen. Nur wird irgendwann der Moment kommen, bis auch der Letzte merkt: Der Chip ist ja auf einer Karte und dient lediglich dem Zugang zur sogenannten Bildung! Umgang mit den Kindern bleibt also Elternpflicht. Zumindest solange man Elternzeit nicht downloaden kann.