Atomstrom hilft!
Kolumne im Donaukurier vom 27. August 2010
Sucht ist ein aus unserer Gesellschaft nicht mehr weg zu denkendes Phänomen. Sucht verschafft dem Staatswesen auch enorme Einnahmen. Man denke nur an die Tabaksteuer. Oder an die ganz banale Mehrwertsteuer, die auf jeder Halben Bier lastet. Das sind immerhin 19 Prozent. Also hat der Staat logischerweise ein enormes Interesse daran, dass die Sucht ein fester Bestandteil der Gesellschaft bleibt. Wobei der Staat schon unterscheidet zwischen Sucht und Sucht. Es gibt natürlich fürchterliche Suchtarten. Und zwar die, die kein Geld in die Kassen spülen. Beispielsweise Zeug, was per Spritze konsumiert wird. Oder natürlich weißes Pulver, das man durch die Nase zieht. Viele halten Kokain und Schnupftabak für artengleiche Muntermacher. Nur dass Schnupftabak eben angeblich die Vollkornvariante von Kokain ist. Bevor hier ein Missverständnis neue Nahrung erhält, sei klargestellt:
Schnupftabak und Kokain sind zwei Paar Stiefel. Schnupftabak gehört ins bayrische Wirtshaus und Kokain in die Schickimickiszene. Nun ist aber nur in vereinzelten mittel- und südamerikanischen Ländern denkbar, dass die ganz harten Drogen legalisiert und mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz versehen werden. Daher überrascht es nicht, dass hierzulande der Besitz, Handel und Konsum solcher Rauschmittel von der Justiz und auch von der Polizei nicht allzu gern gesehen werden. So gesehen müsste alles in Ordnung sein in Deutschland. Wäre es auch, wenn da nicht die Video- und Computerspiele wären. Jeder sechste Jungspund soll akut spielsuchtgefährdet sein.
Viele Kinder verbringen lieber mehr Zeit vor dem Computer mit dem Bemühen, Außerirdische zu vernichten, statt mit Eltern und Geschwistern Kommunikation zu betreiben. Das führt mitunter dazu, dass die Kinder Realität und Fiktion vertauschen. Was wiederum dazu führen kann, dass einem die eigenen Eltern wie Außerirdische vorkommen und die virtuellen Geschöpfe die wahren Verwandten sind.
Das hat für die Zukunft fatale Auswirkungen: Sollte mal der Strom ausfallen, hätten Millionen Kinder keine Familie mehr. Niemand sollte sich deshalb wundern, wenn schon bald die Atomlobby für verlängerte Laufzeiten der Kernkraftwerke wirbt, nur damit die Kinder ein gesundes Familienleben haben können. Wer gegen Atomstrom ist, wird als Kinderfeind hingestellt werden. Wer jetzt noch eine Brennelementesteuer fordert, ist zwar kein Außerirdischer, aber nicht von dieser Welt.

