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Neuheiten

12 Monate Sommerpause

Kolumne im Donaukurier vom 06. August 2010

Die Deutschen beherrschen Arbeit besser als Urlaub. Das wurde jetzt quasi hochoffiziell bestätigt. Glaubhaft wird diese Aussage vor allem durch den Zeitpunkt. Denn derzeit sollte eigentlich ganz Deutschland im Urlaub sein. Halbleere Firmengebäude und im Schongang laufende Produktionsbänder müssten normalerweise das Bild prägen. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Während die Inlandsnachfrage sich durchaus in der Auszeit befindet, haut das Ausland umso stärker ins Kontor. Vor allem Schienenverkehr, Luft- Raumfahrt sorgen für gewaltige Auslastungswerte. Vom ohnehin boomenden Autogeschäft ganz zu schweigen. Da freuen sich natürlich die Arbeits-, Finanz- und Wirtschaftsminister, falls sie die Entwicklung überhaupt mitkriegen. 
Da tun sich völlig unerwartete Spielräume für die Etats auf. Kaum aus der Sommerpause zurück, wird die Politik himmelhochjauchzend sämtliche Sparpläne wieder in die Tonne treten, weil ja irgendwann wieder Wahlen sind und der Wähler nicht verärgert werden soll. Mit Überschüssen kann nämlich keine Regierung dieser Welt umgehen. Das ist ein ehernes Gesetz.

Franz Josef Strauß sagte bereits vor vielen Jahren: Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an, bevor sich ein Staat ein Finanzpolster anlegt. Deshalb nutzt die Politik das hervorragende Potenzial der deutschen Wirtschaft und des deutschen Arbeiters, damit Milliarden sinnvoll investiert werden in sinnlose Projekte. Unterstützt wird der deutsche Arbeiter derzeit aktiv von unfreiwilligen Steuerzahlern. Wie diese Woche bekannt wurde, kamen bis jetzt schon einige Milliarden herein aufgrund von Selbstanzeigen. DVDs über deutsches Schwarzgeld sind also nach wie vor ein Renner auf dem hart umkämpften Medienmarkt.

Da all diese positiven Geschichten gerade im Sommer die Runde machen, plädieren wohl bald einige Politiker, die Sommerpause auf das ganze Jahr auszudehnen. Denn scheinbar ist Deutschland in der Pause produktiver und effektiver als in der typischen Arbeitssaison. Aber gleichzeitig ist der Deutsche an den europäischen Stränden unbeliebter denn je, besagt eine aktuelle Umfrage. Da helfen keine Beschönigungsversuche:
Die Deutschen sind auf dem letzten Platz. Sogar die Briten sind vor den Deutschen. Und am allerwenigsten mögen die Holländer die Nachbarn als Urlaubsgäste. Was soll man da tun? Am besten daheim bleiben und arbeiten. Und wer sich wirklich nicht vor dem Urlaub drücken kann oder darf, sollte sich als Österreicher tarnen.