Vegetarische Trophäen
Kolumne in der Abendzeitung vom 10.Juli 2010
Für die meisten ist das Spiel um den dritten Platz das berühmte Ringen um die goldene Ananas. Aber selbst vegetarische Trophäen müssen erst mal gewonnen werden. Und für Uruguay ist dieser Titel durchaus erstrebenswert nach all den Jahren fußballerischen Siechtums. Die Südamerikaner werden das Duell mit Deutschland angehen wie ein echtes Finale. Löws Buben brauchen einen kühlen Kopf, um die eigenwillige Strategie der Urus zu durchbrechen. Statt dem traditionellen 4-4-2 baut Trainer Tabarez sicher auf ein 10-0-1. Ein Geistesblitz von Forlan soll für die Führung sorgen. Und die zehn anderen sind dafür zuständig, den Spielstand über die Zeit zu retten. Schließlich geht es nicht nur um das Hier und Jetzt, sondern auch noch um die Revanche von 1970. Damals musste Uruguay die goldene Ananas den Deutschen überlassen. Und während sich in Deutschland ein bisschen Melancholie breitmacht, steht Uruguay Kopf vor lauter Euphorie. Da wäre es eventuell gefährlich, wenn Löw auf Stammkräfte verzichten und dafür Auffüllmaterial a la Aogo bringen will. Der ohnehin leicht traumatisierte Durchschnittsfan könnte es als vorzeitige Aufgabe auffassen. Dabei ist ja die neue Aufgabe die Euro 2012.

