Glückslos
Kolumne in der Abendzeitung vom 26. Juni 2010
Nun also England. Wenn das mal kein Glückslos ist! Die WM-Historie beweist
nämlich: England hat gegen Deutschland nur dann eine reelle Gewinnchance, wenn
das Turnier in England stattfindet. Wie 1966. Und wenn der Schiedsrichter einen
Ball, der von der Latte mindestens einen Meter zurück ins Spielfeld prallt, als
Tor gelten lässt. Wie 1966.
Während England damals noch mit kernigen Burschen angetreten war, gleicht das
heutige Team eher einer verunsicherten Schülermannschaft, die gegen Erwachsene
antreten muss. Die sogenannten Leistungsträger von der Insel sind vor allem
eines nicht gewohnt: Sich auf Landsleute verlassen zu können oder zu müssen. In
ihren Vereinen bilden Spieler aus Spanien oder Afrika das Gerüst, in dem die
Rooneys und Lampards glänzen können. Bei den Deutschen wiederum wächst das
Selbstvertrauen enorm seit dem Ghana-Spiel. Da hat das Team bewiesen, dass
selbst mit einer fahrigen und ängstlichen Vorstellung ein Sieg nicht nur
möglich, sondern nahezu zwangsläufig ist. Also kein Drama, falls Schweinsteiger
tatsächlich ausfallen sollte. In dem Fall ist nicht das nächste, sondern das
letzte Spiel wichtig. Und das findet für den DFB erst am 11.Juli statt.

