Geographische Orientierungslosigkeit
Kolumne in der Abendzeitung vom 22. Juni 2010
Der Kaiser hatte explizit vorgewarnt. Auf Nationalspieler, die die Hymne nicht mitsingen wollen, könne man sich im Ernstfall nicht verlassen. Leider hat Beckenbauer recht behalten. Genau die Gesangsverweigerer waren gegen Serbien die unzuverlässigsten Gesellen.
Aber bis zum Anpfiff gegen Ghana ist ja noch Zeit für diverse Herren, um Michael Schanze und Udo Jürgens einzufliegen. Die beiden hatten bei der WM 78 und 82 so viel Stimmung in die Bude gebracht, dass die Nationalmannschaft bei beiden Turnieren auf Fußball verzichtete.
Das Achtelfinale winkt. Stimmungskanone Cacau soll ja auch die Torkanone geben. Mit einem Brasilianer fühlt sich Löw auf der sicheren Seite. Denn so einem hilft ja zur Not die Hand Gottes wie bei Fabiano.
Bevor ein Brasilianer ein Handspiel zugibt, schiebt er es lieber Gott in die Schuhe. Dabei ist gar nicht klar, ob Löw die eigentliche Nationalität von Cacau kennt. Auch die Serben waren für den Bundestrainer in Interviews mal Bosnier und mal Kroaten. Die Moral der Truppe sollte die geographische Orientierungslosigkeit des Trainers aber nicht untergraben. Denn gegen die Ghanaer hilft nur ein Sieg. Da ist es Löw wurscht, ob Ghana in Kenia oder Tansania liegt.

