FC Bayern und die Systemfrage
Kolumne in der Abendzeitung vom 30.August 2008
Wieso die Defensive der Bayern sich so oft bezahlten Urlaub mitten im Spiel nahm, ist schleierhaft. Und dem Trainer eher unangenehm. Wenn Klinsmann bedingungsloses Offensivspiel propagierte, schien seine Mannschaft dies auch dem Gegner zuzugestehen. Dies wiederum irritierte Bayerns Angreifer derart, dass sie schon zu Saisonbeginn die Winterpause antraten. Jetzt erst wurde bekannt: Die Abwehrkünstler waren auf dem Rasen mit Denksportaufgaben beschäftigt. Lucio und van Buyten spekulierten, ob sie mit einem 4-4-2 oder 3-5-2 agieren sollen. Ihr großes Hobby ist also eine Art Rasen-Sudoku. Währenddessen kam sich Kamerad Rensing vor wie beim Tag des offenen Tores. Quasi ein klassisches 0-5-0. Deshalb hat Rummenigge sicherheitshalber nochmal die Dienststellenbeschreibung an die Spinde genagelt. Darauf steht: Klinsmann denkt. Der Rest rennt. Dabei hat das Dortmund-Spiel gezeigt: Zu zehnt tut sich der FC Bayern leichter. Kritiker mögen behaupten: Solange Klose auf dem Feld steht, spielen die Bayern tendenziell sowieso nur zu zehnt. Und wenn van Bommel aufläuft, bald nur zu neunt. Das mag auch der Grund gewesen sein für den Jansen-Verkauf: Die Bayern brauchen einfach weniger Spieler als die Konkurrenz
[ 03.09.2008 ]

