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Neuheiten

"Die Deutschen sind die Deutschen"

Kolumne in der Abendzeitung vom 28.Juni 2008

Um sich in der Fußballwelt Gehör zu verschaffen, muss ein Trainer schon mal Sätze los lassen, die aufgrund der Langzeitwirkung in Stein gemeißelt werden können. Auf diese Weise wollte sich auch Spaniens Oberübungsleiter Aragones verewigen vor seinem letzten Spiel in dieser Funktion. Seine zitierfähige Aussage: „Die Deutschen sind die Deutschen." Gut, für diese Erkenntnis braucht es nicht unbedingt vier Semester Ethnologie. Aber was will Aragones damit sagen? Oder noch besser: Wie sind die Deutschen denn? Eher so wie die Österreicher (als es gegen Kroatien ging)? Oder wie die Russen (gegen Portugal)? Oder doch eher wie die Türken (im Duell mit den Türken)? Eigentlich hätte also Aragones sagen müssen: „Die Deutschen sind unberechenbar - man weiß nur nicht wann." Mal verzichten sie auf die Innenverteidigung, dann wieder auf die Schaltzentrale im Mittelfeld, und fast immer auf einen Sturm. Ach ja, einmal sogar auf einen Cheftrainer. Aber wieso? So richtig genau wissen das nicht mal die DFB-Strategen. Oder will jemand behaupten, es sei konzeptionell bedingt, wenn die Elf im Halbfinale defensiv so agiert, als hätte sie je zwei Metzelders und Jansens als Viererkette? Oder wenn ein Defensivmann in letzter Minute das entscheidende Tor schießt, weil die Stürmer so tun als ob sie auf der Bank säßen? Aus Fairnessgründen müsste jetzt ein Löw hergehen und auf der Pressekonferenz verkünden: „Die Spanier sind die Spanier." Jedoch haben die Spanier schon auch bewiesen, dass sie ein bisschen Türkei und ein bisschen Lahm in sich tragen. Man erinnere an die EM´84, als ein Herr Maceda die deutsche Mannschaft in der letzten Minute so schlecht aussehen ließ, dass manche sich heute fragen, ob Metzelder und Jansen damals auch schon dabei waren. Mit ein bisschen Glück und Willen könnte das Finale Spanien-Deutschland somit wie ein Finale Türkei-Türkei ausschauen. Das wäre eine schöne Genugtuung für die Türkei. Für Gomez übrigens auch. Als Halbspanier im deutschen Team wird er so auf alle Fälle Europameister. Er hätte eine Bank sein sollen und durfte stattdessen nur darauf sitzen. Aber Fußball ist nun mal kein Wunschkonzert. Sonst würde das Finale Holland-Niederlande lauten.

[ 01.07.2008 ]