Abseits und Spass dabei
Kolumne in der Abendzeitung vom 20. Februar 2010
Maria Riesch ist zu beneiden. Nicht nur, weil sie so famos die erste alpine Goldmedaille seit 1734 für Germany errungen hat. Nicht nur, weil sie kurz vorher grandios an den Edelmetallen vorbeigerutscht war.
Sondern vor allem, weil sie im Moment des Triumphs nicht im Abseits stand. Beneiden wird sie für Letzteres vor allem Miroslav Klose. Denn der Bayern-Stürmer stand wochenlang verletzungsbedingt im Abseits und schien fast schon aussortiert. Irgendwie hatte er gar nicht begriffen, dass er nun plötzlich gegen Florenz eingewechselt und mittendrin war.
Er war so neben der Kappe, dass er dem einschussbereiten Olic in die Parade fuhr. Minuten später bugsierte er den Ball ins Tor. Rein optisch war er dabei ungefähr zwei Meter im Abseits. Gefühlt waren es vierzig Meter. Mindestens.
Der Schiedsrichter pfiff aber nicht ab. Mit Absicht. Dabei sei betont:
Der Unparteiische war weder amarellisiert noch taub auf den Augen. Er wusste nur: Klose hat harte Zeiten hinter sich und wäre der Buhmann des Monats durch das Vereiteln der Olic-Chance. So aber half der nette Pfeifenmann einem jungen Menschen, ins Leben zurückzufinden. So muss gelebte Integration aussehen.

