Kolumnen

04.03.2013
Wenn Sprungbretter zu Fettnäpfchen werden
Kolumne im Donaukurier vom 01. März 2013

Wenn einer auf diesem Planeten von italienischer Politik Ahnung hat, dann ist es Peer Steinbrück. Und bekanntlich scheuen italienische Politiker die Realität wie sonst nur Bayern-Spieler Niederlagen gegen Dortmund. Also bleibt es einmal mehr am guten Peer hängen, das Wahlergebnis in Italien rational zu deuten. Dessen Urteil war eindeutig:
Die Wahl hätten zwei Clowns gewonnen. Das wiederum führte dazu, dass der italienische Staatspräsident beleidigt war. Was wiederum Steinbrück nicht ganz verstehen konnte. Er hatte ja nur das gesagt, was alle dachten oder wussten. Und der SPD-Spitzenkandidat hat auch nie behauptet, er hätte was gegen Clowns. Ein Clown ist schließlich da, um den Alltag seiner Mitmenschen humorig zu untermalen. Also um die Lebensqualität zu verbessern. Ein ehrenwertes, wenn auch schwieriges Unterfangen. So gesehen haben die Italiener die richtigen Leute gewählt. Denn die Politiker haben ja eher dazu beigetragen, dass sowohl Strukturen als auch Finanzen erodiert sind.
In der Folge sackte die Lebensqualität ab. Hätten die Italiener da Politiker wählen sollen, damit es noch weiter bergab geht? Da sagt sich der Italiener: Dann lieber wieder Berlusconi. Denn der hat wenigstens paar fesche Mädels ins Kabinett geholt. Die Italiener wollen also Politik, aber eben ohne Politiker.

Steinbrück hofft, dass die Deutschen im September bei der Wahl ähnlich ticken. Denn er sieht sich auch nicht so sehr als Politiker, sondern als einer, der Klartext redet. Und dennoch ordentlich Kohle verdient nebenbei. Also gar nicht auf die Politik angewiesen ist. So wie die italienischen Clowns Grillo und Berlusconi. Im Prinzip wollte Steinbrück also die Botschaft aussenden: Seht her, all ihr von Merkel geschundenen Deutschen! Auch ihr habt euren Clown! Ihr müsst ihn nur noch wählen!

Aber anders als bei Grillo und Berlusconi wird Steinbrück generell gerne missverstanden. Eigentlich sollte sich der aufrechte Sozialdemokrat Nachhilfeunterricht von Berlusconi geben lassen. Denn während der italienische Schlawiner es glänzend versteht, Fettnäpfchen als Sprungbrett zu benutzen, baut Steinbrück selbst die besten Sprungbretter zu Fettnäpfchen um. Was ihm Berlusconi sofort raten würde:
Wer heute dem deutschen Wähler verspricht, dass aus Stuttgart 21 ein Flughafen werden soll und aus BER ein Regionalbahnhof, gilt als wählbarer Clown. Als Highlight muss dann Peer nur noch bekennen, dass ihm das Gemeinwohl egal ist. Und schon ist ihm der Sieg sicher. Siehe Italien.

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